Der Einschlag des rund 10 bis 15 Kilometer großen Chicxulub-Asteroiden vor 66 Millionen Jahren verursachte eine globale Katastrophe und beendete die Ära der Dinosaurier. Schon kurz nach dem Impakt vernichteten Tsunamis, feuriger Gesteinsregen und Brände alles Leben in weitem Umkreis. Die beim Einschlag freigesetzten Aerosole und Gase lösten zudem einen jahrelangen Impaktwinter aus, dem weitere Tier- und Pflanzenarten zum Opfer fielen.
Rätsel um den Ursprung des „Täters“
Doch woher kam der „Dinokiller“? Und welcher Asteroidensorte gehörte er an? Weil der Chicxulub-Asteroid beim Einschlag komplett verdampfte, sind am Einschlagsort und in den weltweiten Ablagerungen dieser Zeit nur noch mikroskopische Spuren zu finden. Ihre Zusammensetzung legt aber nahe, dass der Asteroid zu den kohligen Chondriten (CC) gehörte. Diese machen weniger als fünf Prozent aller bekannten Meteoriten aus und gelten als besonders ursprüngliche Relikte aus der Frühzeit unseres Sonnensystems.
“Aber die kohligen Chondrite umfassen Meteoriten sehr unterschiedlicher Zusammensetzung und Herkunft, daher blieb die genaue Natur dieses Impaktors bislang unklar“, erklären Georgy Makhatadze von der Universität Paris Cité und seine Kollegen. Zwar stammen die meisten kohligen Chondrite aus der Region jenseits des Jupiter, ihr Gehalt an Wasser und flüchtigen Elementen unterscheidet sich aber je nach Unterklasse erheblich – entsprechend unterschiedlich könnten die Auswirkungen beim Einschlag gewesen sein.

Die Ablagerungen aus der Zeit des Asteroideneinschlags vor 66 Millionen Jahren sind hier in der dänischen Stevn’s Klingt-Formation deutlich als dunkle Trennschicht zu erkennen. — © Dr. Philippe Claeys
Nickel-Isotope verraten Chondriten-Typ
Jetzt liefern neue Analysen ein genaueres „Täterprofil“. Makhatadze und sein Team haben dafür Proben aus fünf Fundstellen der Kreidezeit-Paläogen-Grenzschicht untersucht – eine aus Dänemark, zwei aus Spanien und zwei aus Italien. In diesen Proben und in Vergleichsproben verschiedener Typen kohliger Chondrite analysierten sie die Isotopenverhältnisse des Elements Nickel. Dies sollte klären, ob der Chicxulub-Asteroid, wie bisher angenommen, zu den sogenannten CI-Chondriten gehört. „CI-Chondrite haben eine Nickel-Isotopensignatur, die sich deutlich von der anderer kohliger Chondrite unterscheidet“, erklären die Forschenden.
Das Ergebnis: Die Proben aus der Einschlagsschicht wichen in ihrer Isotopensignatur deutlich von denen der CI- und der CY-Chondrite ab. „Diese beiden Meteoritenklassen können wir daher eindeutig als Kandidaten für den Impaktor ausschließen“, berichten Makhatadze und sein Team. Dies stimme mit bereits früher festgestellten Abweichungen bei den Elementen Chrom und Ruthenium überein. Auch die chemisch ähnlichen, aber weniger Wasser enthaltenden CM-Chondrite ließen sich ausschließen.
Der „Dinokiller“ war wahrscheinlich ein CO-Chondrit
Stattdessen legen die Resultate nahe, dass der Chicxulub-Asteroid einer besonders seltenen, urtümlichen Klasse der kohligen Chondrite angehörte: den CO-Chondriten. „Diese Meteoriten vom Ornans-Typ sind nichts, was man in den typischen Meteoritensammlungen von Museen findet“, erklärt Co-Autor Philippe Claeys von der Freien Universität Brüssel. Denn von den ohnehin schon seltenen kohligen Chondriten machen die CO-Chondriten nur einen winzigen Anteil aus.
Der Chicxulub-Asteroid war demnach ein rares Relikt der primitiven Brocken, die in der Frühzeit des Sonnensystems irgendwo im Bereich des Jupiter oder jenseits davon entstanden waren. „Dass die Erde damals ausgerechnet von einem so seltenen, aus weiter Ferne stammenden Asteroiden getroffen wurde, unterstreicht, was für ein Pech die Dinosaurier hatten“, sagt Claeys.
Weniger Schwefelaerosole als gedacht
Die neuen Informationen über den „Dinokiller“-Asteroiden werfen aber auch ein neues Licht auf die Folgen des katastrophalen Einschlags vor 66 Millionen Jahren: „Ein CO-Chondrit enthält viel weniger flüchtige Elemente als andere bisher auf der Erde entdeckte Meteoritentypen“, erklärt Claeys. Demnach setzte der Chicxulub-Asteroid bei seinem Einschlag auch viel weniger Schwefel frei als gedacht.
Das Interessante daran: „Der vom Impaktor stammende Schwefel gilt als eine der Hauptursachen für das Massenaussterben“, erklären die Forschenden. Denn die beim Einschlag in die Atmosphäre geschleuderten Schwefelaerosole verteilten sich als feiner Schleier um den Globus, verringerten die Sonneneinstrahlung und lösten so den Impaktwinter aus. Bisher nahm man an, dass rund 40 Prozent dieser Schwefelaerosole aus dem Asteroidenmaterial stammten. „Ein CO-Chondrit hätte aber nur halb so viel Schwefel beitragen können“, so das Team.
“Das ändert nichts an den Ursachen des Massenaussterbens“, betont Claeys. Aber der Schwefel des Asteroiden war dafür offenbar weniger ausschlaggebend. als es gängige Szenarien annehmen.
Quelle: Georgy Makhatadze (Université Paris Cité, Paris) et al., Science Advances, 2026; doi: 10.1126/sciadv.aef4858





