Dabei geht es nicht nur um irgendwelche Aufkleber: Greenwashing kann viele Formen haben. So werden bei einigen Produkten oftmals lediglich die geringfügigen Umweltvorteile hervorgehoben, während andere, oft größere Probleme unerwähnt bleiben. Ein typisches Beispiel sind Batterien für Elektroautos: Zwar setzen sie bei ihrer Verwendung keine Kohlendioxidemissionen frei, aber ihre Herstellung verursacht einen Kohlenstoff-Fußabdruck und oft auch Luft- und Wasserverschmutzung. Sie als „emissionsfrei“ zu bezeichnen, ist in Ordnung. Sie als „CO2-neutral“ zu bezeichnen, ist dagegen Greenwashing.
Andere Werbeversprechen sind zwar zutreffend, aber letztlich ohne Substanz. Ein typisches Beispiel ist die Kennzeichnung eines Produkts als „frei von FCKW“. Das ist zwar nett und das Etikett sieht sicherlich gut aus, aber der Einsatz dieser Chemikalien – der Fluorchlorkohlenwasserstoffe – ist aufgrund ihrer klimaschädlichen Wirkung ohnehin seit Jahrzenten gesetzlich verboten.
Ähnlich verhält es sich mit Behauptungen, die gut klingen, aber nichts bedeuten wie der Aufdruck „100 Prozent natürlich“: Arsen zum Beispiel ist als chemisches Element zweifellos natürlich, aber es ist weder gut für die Umwelt noch für Sie. Und ein neuer großer Geländewagen kann durchaus umweltfreundlicher sein als das vorherige Modell, besonders umweltfreundlich sind sie letztlich aber beide nicht.
Auch hinter scheinbar konkreten Aussagen wie der Behauptung, dass ein Produkt zu 100 Prozent aus recyceltem Plastik hergestellt wurde, kann sich Greenwashing verbergen. Denn in vielen, wenn nicht gar den meisten Fällen stammen wesentliche Teile dieser angeblich recycelten Materialien aus Industrieabfällen. Es handelt sich also nicht um Plastik-Müll, der aus dem Meer gefischt wurde, oder um Verbraucherabfälle, die wiederaufbereitet und wiederverwendet werden. Sondern eine zu 100 Prozent recycelte Flasche könnte größtenteils aus Kunststoff bestehen, der direkt in einer Fabrik weggeworfen wurde. Das ist zwar immer noch besser, als das Zeug zu verbrennen, aber irreführend ist die Aussage trotzdem. Also: Greenwashing.
Schließlich haben wir noch das Problem mit den falschen Siegeln: Einfach ein paar Bildchen von ausgedachten grünen Siegeln aus dem Internet herunterladen, auf das Produkt drucken, fertig. Wenn die Verbraucher nicht genau wissen, worauf sie achten müssen, können diese Siegel den echten Zertifizierungssiegeln sehr ähnlich sehen.
Erschwerend kommt hinzu, dass es von den Siegeln, die tatsächlich bestätigen, dass ein Produkt unabhängigen Tests unterzogen wurde, aktuell etwa 450 verschiedene gibt. Diese lassen sich zwar zum Beispiel auf der Webseite www.ecolabelindex.com nachschlagen. Aber wenn Sie eine so lange Liste in der Putzmittel-Abteilung des Supermarkts durchgehen, wird Sie jemand mit seinem Einkaufswagen überrollen, bevor Sie das richtige Siegel gefunden haben. Die Europäische Union ist gerade dabei, eine Reihe von Gesetzen zu verabschieden, die die ganze Sache mit der Umweltkennzeichnung verständlicher machen sollen, aber es wird noch einige Zeit dauern, bis sie in Kraft treten. In der Zwischenzeit können Apps fürs Smartphone wie „NABU Siegel-Check“ helfen, mit denen Sie die Siegel scannen und Auskunft über ihre Bedeutung erhalten.





