Höchst anschaulich versteht es Ibn Battuta, von fremden Reichen und deren Herrschern zu berichten, von Pflanzen und Tieren, von Menschen und deren Lebensgewohnheiten. So erzählt er etwa, dass die Frauen auf den Malediven außerordentlich schön seien und – obwohl es sich bei ihnen um Musliminnen handle – ihr Gesicht nicht bedeckten, sondern gar vom Nabel an „oben ohne“ einhergingen. In China erregte das Papiergeld seine Neugierde. Wieder zurück in seiner marokkanischen Heimat, diktierte er vermutlich dem Gelehrten Ibn Dschuzayy seine Erinnerungen. Zwischen 1368 und 1377 starb Ibn Battuta in Tanger.
Etwa 300 Jahre später erstellte der Aleppiner Gelehrte al-Bailuni eine Kurzfassung des ursprünglich vielhundertseitigen Reiseberichts. Diese Version hat nun Ralf Elger erstmals vollständig ins Deutsche übertragen und damit einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Seine sprachlich überzeugende, sehr gut lesbare Übersetzung wird ergänzt durch ausführliche Erläuterungen, die zum besseren Textverständnis beitragen. In seinem Nachwort geht Elger der interessanten Frage nach, ob Ibn Battuta all das tatsächlich gesehen und erlebt hat, was er so informativ und lebendig schildert.
Und in der Tat, Zweifel dar-an sind angebracht. Vieles von dem, was Ibn Battuta berichtet, findet sich in ähnlicher, manchmal sogar identischer Formulierung auch in den Werken anderer Autoren. Elger verweist darauf, in welchem Umfang Ibn Battuta andere arabische kosmographische Werke ausschlachtete und sogar Anleihen bei den Märchen aus 1001 Nacht machte.
Noch viel bedeutsamer, ja spannender ist, dass Elger auch frappierende Ähnlichkeiten mit den Reiseberichten des Kaufmanns Marco Polo (gest. 1324) und des Franziskaners Johannes de Marignolli feststellen kann, der zwischen 1338 und 1353 Asien bereiste. Wie diese Übereinstimmungen zu erklären sind, ob sich die Verfasser vielleicht gar gegenseitig kannten – oder zumindest ihre Werke –, muss letztlich offenbleiben.
Fest steht allerdings, dass Reiseerzählungen dieser Art „im globalisierten Mittelalter“ in Orient und Okzident auf größtes Interesse stießen, das heißt, „Muslime wie Christen mochten die gleichen Abenteuergeschichten“. Und diese Geschichten haben, wie die hier vorliegenden „Wunder des Morgenlandes“, bis heute nichts von ihrer Frische verloren.
Rezension: Prof. Dr. Peter Thorau




