Und während man das meint, merkt man, dass die Virologen nicht einmal einfache Fragen beantworten können, zum Beispiel: Warum stecken manche infizierte Leute sehr viele andere an, während einige mit Corona herumlaufende Exemplare der Gattung Mensch das Virus nicht verbreiten? Und was ist mit Kindern und deren Gefährdung? Man könnte meinen, dass die Antworten in der wissenschaftlichen Literatur stecken – nur fegen die Veröffentlichungen zu Covid-19 derzeit als Tsunami durch die Wissenschaftswelt, was konkret heißt, dass mehr als 5000 Arbeiten pro Woche zu dem brisanten Thema erscheinen.
Man kann es nicht glauben. Mehr als 5000 Artikel pro Woche! Das kann auch der fleißigste Leser nicht bewältigen, und das muss zu unterschiedlichen Informationen in unterschiedlichen Instituten führen, von denen eines in den Medien was zu sagen hat und die Politik beeinflusst. Kann man denen glauben? Man könnte, wenn man sicher wäre, dass es das gibt, was zum wissenschaftlichen Betrieb dazugehören muss und was man die wissenschaftliche Methode nennt.
Wenn Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien oder entsprechenden Experimenten gemeldet werden und kluge Deuter der Dinge die seit Jahrzehnten beliebte Logik der Forschung einsetzen, dann muss es doch am Ende glücken, glaubt man. Ich glaube das nicht mehr, seit ich das Buch „The Scientific Method“ von Henry M. Cowles in die Hand genommen habe, der Wissenschaftsgeschichte an der Yale University unterrichtet. Er stellt überzeugend fest, dass die Begründer der Wissenschaft und ihre großen Leuchten wie Charles Darwin von einer wissenschaftlichen Methode nichts wussten, und dass es überhaupt Schwierigkeiten gab, Forscherinnen und Forschern den Titel „Scientist“ zu geben.
Er taucht zum ersten Mal 1834 auf, und zwar in der Rezension eines Buches von Mary Somerville, die sich „On the Connexion of the Physical Sciences“ geäußert hatte. Sie hatte also über eine Verbindung zwischen den Wissenschaften nachgedacht und meinte, sie durch ihre Methode verstehen zu können. Der Clou von Cowles Buch ist, dass das Konzept einer „wissenschaftlichen Methode“ damit zwar vorbereitet war, dass aber erstmals ein Magazin für die breite Öffentlichkeit den Ausdruck „die wissenschaftliche Methode“ gebraucht hat, nämlich The Popular Science Monthly, im 19. Jahrhundert so etwas wie bild der wissenschaft heute. Das gefällt mir. Die wissenschaftliche Methode ist etwas, das Menschen in einem populären Medium suchen und finden. Hier muss ein Artikel statt 5000 reichen. Das wäre die literarische Methode, die heute gebraucht wird.





