Der Kaiser in Rom ließ das Legionslager Vindonissa zur Verteidigung der Reichsgrenze errichten, die nach den verheerenden Rückschlägen in Germanien zurück an den Rhein verlegt worden war. An strategisch günstiger Lage, auf einem Plateau nahe dem Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat, richteten sich die römischen Legionäre hier für rund 100 Jahre fest ein und sicherten so das wichtigste Einfallstor vom Rhein ins Schweizer Mittelland.
Auf einer Fläche von etwa 20 Hektar erbauten die Soldaten über 60 Mannschaftsunterkünfte, vornehme Villen für ranghohe Offiziere, mehrere Verwaltungs- und Werkstattgebäude, ein Spital für Kranke und Verwundete, Thermen und Latrinen sowie ein ausgeklügeltes und leistungsstarkes Frisch- und Abwassersystem. Eine Lagermauer mit vier mächtigen Toren grenzte das Legionslager gegen die umliegende zivile Siedlung ab, in der rund 10000 Bewohner lebten: Angehörige der Soldaten, Kaufleute und Handwerker – ein buntes Gemisch römischer Bürger und einheimischer Helvetier.
Der Legionärspfad in Windisch, dem römischen Vindonissa, lässt die Besucher Geschichte am Originalschauplatz erleben. Verschiedene Spiel- und Thementouren für Schulklassen, Familien und Erwachsene führen zu den imposanten baulichen Zeugnissen aus der Zeit des Legionslagers. Die stimmungsvoll und lehrreich inszenierten Stationen lassen den Besucher mit allen Sinnen in die Geschichte eintauchen. So be‧gegnet man auf dem Rundgang der wohl einzigen noch heute funktionierenden römischen Wasserleitung nördlich der Alpen, dem ältesten Amphitheater der Schweiz, einem begehbaren, unterirdischen Abwasserkanal, einer Badeanlage mit fast 2000 Jahre alten Wandmalereien oder der außergewöhnlich gut erhaltenen Küche eines ranghohen Offiziers. Aktuelle archäologische Ausgrabungen in dieser Küche machten deutlich, dass im Legionslager nicht nur exerziert wurde, sondern die Römer auch weitab von Rom dem luxuriösen Leben frönten. Aus dem von Asche und verkohlten Speiseresten geschwärzten Küchenboden konnte der Speiseplan des Offiziers und seiner Gäste rekonstruiert werden: Die hohen Militärs der 11. Legion (70–101 n. Chr.) ließen sich mit Mittelmeermakrelen, Austern, Feigen und südländischem Wein verwöhnen – und dies mitten in der helvetischen Provinz.
Auf den Spuren der römischen Legionäre können sich die Besucher in verschiedene Themen vertiefen. Erwachsene mögen sich mit der Forschungsgeschichte von Vindonissa oder mit der Präsenz von Frauen in Legionslagern beschäftigen, auf die aktuelle Funde aus Vindonissa ein neues Licht werfen. Familien können ihre Spieltour in der Zeitmaschine starten, das Rätsel des Gottes Neptun lösen, Karriere in der Legion machen oder hinter das Geheimnis des Kamels von Vindonissa gelangen.
Am eindrücklichsten erfahrbar wird das Alltagsleben des Legionärs bei einer Übernachtung in den nachgebauten Mannschaftsunterkünften. Kochen einer Legionärsmahlzeit am Feuer, Exerzieren, Spielen und Schlafen auf der Strohmatratze machen die Besucher selber zu Akteuren und bieten ein Geschichtserlebnis, das nachhaltig wirkt. „Geschichte am originalen Schauplatz wird zum echten Erlebnis“ – mit diesem Kriterium zeichnete die Jury den Legionärspfad im November 2011 mit dem Schweizer Tourismuspreis „Milestone“ in der Kategorie „Herausragendes Projekt“ aus.




