Der Forschungsstand wird in der Einleitung sinnvoll erschlossen, Nachweise der zitierten Quellen und kurze Hinweise auf weitere Literatur finden sich im Anhang. Zunächst wird in chronologischer Folge das Phänomen des Hetärenwesens von seinen Ursprüngen im archaischen Griechenland, über die Klassik bis zum Hellenismus verfolgt. In der Mitte des Buchs findet sich ein mit „Glanz und Elend“ überschriebenes Kapitel, das die realen Lebensbedingungen jener sagenumwobenen Frauen zu rekonstruieren beabsichtigt und im Kontrast dazu die Lebensumstände der Ehefrauen behandelt; dieses Kapitel leitet – indem es die behandelten Epochen umspannt – über zum zweiten Teil des Buchs, das sich dem Hetärenwesen in der römischen Republik, der Kaiserzeit und schließlich der Spätantike widmet. Die Skizze eines epochen- und kulturübergreifenden Vergleichs rundet die Darstellung ab, bevor zum Schluss einige zentrale Punkte noch einmal besonders herausgestellt werden: unter anderem das Fehlen weiblicher Zeugnisse, insbesondere von Hetären selbst.
In dem Buch werden die antiken Texte, auf die sich Schuller bezieht, ausführlich in schönen Übersetzungen zitiert und sorgfältig eingeordnet, das ermöglicht allen Interessierten, ein Gespür für die Eigenarten der literarischen Gattungen zu gewinnen, auf denen unsere Kenntnis der antiken Kulturgeschichte basiert. Dass dieses Buch mit Leidenschaft und Begeisterung für den Gegenstand geschrieben wurde, merkt man ihm an, dennoch wird der Glanz der heiteren Erotik, der dem Verhältnis zwischen einer Hetäre und ihrem Liebhaber in den antiken Texten oft verliehen wird, nicht für die Realität genommen oder gar idealisiert. Schuller bemüht sich darum, gerade auch die Kehrseiten des schönen Scheins dieser erotischen Beziehungen aufzuzeigen. So geht er zum Beispiel auf die materiellen und sozialen Nöte jener Frauen ein, die ihren Lebenserwerb auf keineswegs spielerische Weise zu bestreiten suchten.
Rezension: Hartmann, Elke




