„Das deutsche Volk… erscheint uns nur noch als ein einziges großes menschliches Ungeheuer… Wir haben uns gesagt, daß wir das deutsche Problem in der Republik ausliquidieren müssen.” Mit diesen Worten rechtfertigte Präsident Benes am 12. Mai 1945 die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei. Am 9. Juni, dem 3. Jahrestag der Vernichtung der Ortschaft Lidice mitsamt seinen Einwohnern machte Benes „das deutsche Volk in seiner Gesamtheit für den Nationalsozialismus und alle seine Verbrechen verantwortlich” und stellte die Behauptung auf, „daß die Haupttäter, Mitarbeiter und ausführenden Organe des Verbrechens böhmische Deutsche waren”. Jetzt werden die Deutschen „erfahren, was das Prinzip der kollektiven Verantwortung bedeutet”, schrieb im Juli 1944 auch das Organ der polnischen Geheimarmee. „Der Stamm der tollen Hunde muß eine Lehre bekommen, an die er sich mehr als eine Generation erinnert.” Und der Befehlshaber der 2. Polnischen Armee wies seine Soldaten am 24. Juni 1945 an, mit den Deutschen „so umzugehen, wie diese es mit uns getan haben”, so daß „die Deutschen von selbst fliehen und Gott danken, daß sie ihren Kopf gerettet haben”. In beiden Staaten riefen Politiker jeglicher Couleur, Flugblätter und Zeitungen nach Vergeltung für die brutale deutsche Besatzungspolitik.
Die Propaganda der ersten Nachkriegsmonate weist aber auch auf ein anderes Motiv für die Zwangsaussiedlung hin. Der tschechoslowakische Ministerpräsident bezeichnete die „Säuberung” der Republik von den Deutschen am 14. Mai 1945 als Lösung eines Problems, das „tausend Jahre auf unserem Volk lastete”. Der Justizminister rief seinen volkssozialistischen Parteifreunden zu, „die Republik ganz und vollständig von den Deutschen zu säubern” sei „das Gebot der Stunde für jeden von uns, das ist die historische Aufgabe unserer Generation”. Und der kommunistische Parteichef erklärte: „Die neue Republik wird ein slawischer Staat sein, eine Republik der Tschechen und Slowaken.” Der polnische Ministerpräsident hatte noch vor Kriegsende kundgetan: „Wir müssen in erster Linie zur Zerschlagung unseres ewigen deutschen Feindes beitragen, ihm die uns in verschiedenen Perioden der Geschichte geraubten Länder im Norden und Westen wegnehmen.” Polen wolle einen „polnischen Nationalstaat, und keinen Nationalitätenstaat bauen”, sagte der kommunistische Bevollmächtigte für Oberschlesien. Der Vizeminister für Öffentliche Verwaltung erklärte zur Zeit der Potsdamer Konferenz: „Es wird bei uns keine ethnischen Minderheiten geben. Wir sind zur Konzeption eines Nationalstaats übergegangen, ausgehend von der Annahme, daß ethnische Minderheiten im Endeffekt nur eine fünfte Kolonne im Lande abgeben würden. Deshalb schaffen wir die Deutschen hinter unsere Grenzen. … wichtig ist, daß wir sie heute entfernen können, und niemand weiß, ob wir das morgen werden tun können.”
Warum also forderten Polen und Tschechen im Krieg die Zwangsaussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei, Polen und Ostdeutschland und warum stimmten die alliierten Großmächte diesem Verlangen zu? …




