Der Autor, Lehrbeauftragter für amerikanische Geschichte an der Friedrich-Schiller- Universität in Jena, widerspricht der weit verbreiteten Vorstellung, die das Leben der Indianer als friedfertig und gewaltlos romantisiert. Maninger zeigt auf, dass Kriege für die Ureinwohner bereits vor den Konflikten mit den weißen Eroberern ein „integraler Bestandteil ihres Alltags“ waren. Auch das Rollenverständnis und Sozialprestige der männlichen Bevölkerung waren maßgeblich durch den Kriegerstatus bestimmt.
Maninger führt den Leser zunächst in das Kriegsverständnis der indigenen Bewohner ein. Inhaltlicher Hauptteil des Buches sind jedoch der Konflikt mit den Siedlern aus England, Frankreich und Holland sowie die Vertreibung und teilweise Vernichtung indianischer Stämme. Einzelne Beispiele wie das Vergiften von 200 Indianern des Powhatansstamms während eines Friedensgesprächs durch die Engländer zeugen von der Grausamkeit, die den nordamerikanischen Ureinwohnern widerfahren ist. Maninger berücksichtigt aber auch, dass die meisten Indianer nicht im Krieg mit den Europäern den Tod fanden, sondern vor allem an den eingeschleppten Krankheiten und sozialen Gewohnheiten (Alkoholkonsum) litten. Auch ihre wichtige Rolle als Hilfstruppen bei den Auseinandersetzungen zwischen den Kolonialmächten wird in dem Band berücksichtigt.
Anschaulich, unter Einbeziehung der aktuellen Forschung und mit vielen Fakten untermauert, ergibt sich ein differenziertes Bild der Situation Nordamerikas im 17. Jahrhundert. Maninger kommt wie die meisten Forscher zu dem Urteil, dass die „Ankunft der Europäer für die Ureinwohner Nordamerikas eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes“ bedeutete. Sein Fazit ist jedoch eingebettet in eine kritische Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Konfliktparteien und nimmt endgültig Abschied von der Vorstellung, die die Indianer bis heute als „edle Wilden“ begreift.
Der gut lesbare Band bringt neben einem wissenschaftlichen Apparat mit Endnoten und Literaturverzeichnis auch biographische Angaben zu wichtigen historischen Persönlichkeiten. Karten und Bildmaterial veranschaulichen die im Text erwähnten Ereignisse. Die Beschriftung ist jedoch teilweise unzureichend.
Rezension: Philipp Meller




