Und es wird das Schicksal einer Frau enthüllt, deren Leben einer Zerreißprobe gleicht. Ihr Bildungshintergrund läßt sie voller Ambitionen sein, doch der Realisierung stehen die bescheidenen bürgerlichen Lebensverhältnisse der Familie entgegen. Eine Tätigkeit als Lehrerin scheitert, und so bliebe Martha eigentlich nur das zermürbende Warten auf den Ehemann. Statt dessen wächst sie jedoch zunehmend in die Rolle der wichtigsten literarischen Gesprächspartnerin und Kritikerin des Vaters hinein.
Der Preis, den sie dafür zahlt, ist hoch: Zeitlebens kann sie sich nicht von der engen Vaterbindung befreien, findet nicht zu einem selbstbestimmten Leben. Ihre andauernden „Nervenkrankheiten“ erscheinen auch als Ausdruck dieser Problematik. Am Ende lebt sie in ständigen Ängsten. Durch diverse „Therapien“ zur Alkoholikerin geworden, setzt sie ihrem Leben mit 56 Jahren ein Ende.
Rezension: Talkenberger, Heike




