von THORSTEN DAMBECK
Das Jahr 1882 war für die Astronomie etwas Besonderes. Es tauchte der spektakuläre Große Septemberkomet auf, der weltweit mit bloßem Auge zu sehen war – bisweilen sogar am Taghimmel. Auch der Transit der Venus vor der Sonne faszinierte die Experten. Bei diesen seltenen Ereignissen können sie den Abstand zwischen Erde und Sonne präzise vermessen. Und zudem wurde 1882 der bedeutende britische Astronom Arthur Eddington geboren. Was die Forscher damals noch nicht wissen konnten: Ein bizarres Duo zweier Riesensterne im Sternbild Schwan produzierte enorme Mengen kosmischen Staubs.
Die damalige Staubfabrikation konnte erst das James Webb Space Telescope im Sommer 2022 enthüllen. Ein halbes Jahr zuvor war das JWST, das oft als Nachfolger des Hubble-Teleskops bezeichnet wird, mit einer Ariane-5-Rakete ins All gestartet. 29 Tage später erreichte es seinen Beobachtungsposten: einen speziellen Punkt 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, um den es einen weitläufigen Orbit einschlug. Die 18 Segmente seines 6,5-Meter-Spiegels wurden entfaltet und die Bordsysteme Schritt für Schritt in Betrieb genommen.
Zu den ersten Beobachtungsobjekten gehörte der Doppelstern WR 140 und dessen staubige Umgebung. Die Bilder des rund 5350 Lichtjahre entfernten Systems haben die Astronomen tief beeindruckt: „Es ist eine Erfahrung, die mich mein ganzes Leben lang begleiten wird“, meint Ryan Lau vom National Optical-Infrared Astronomy Research Laboratory (NOIRLab) in Tucson, Arizona, der die Auswertungen im vergangenen Oktober im Fachblatt Nature Astronomy schilderte.
Spektrale Sonderlinge
Für Astronomen sind die winzigen Partikel im Weltraum keine Petitesse. Im Gegenteil, Staub ist hochinteressant: „Kosmischer Staub ist ein wichtiger Rohstoff bei der Entstehung von Planeten und beeinflusst den Gravitationskollaps, der die Entstehung von Sternen einleitet“, erklärt Oliver Krause vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Krause ist dort für die technischen Beiträge zum JWST verantwortlich. Dabei geht es insbesondere um das Mid Infrared Instrument (MIRI), das in Kooperation der NASA mit einem europäischen Konsortium entstand, dem auch das Max-Planck-Institut für Astronomie angehört.
Mithilfe von MIRI gelangen die Beobachtungen von WR 140. Der Name des Doppelsystems weist auf einen speziellen Sternentyp hin, einen Wolf-Rayet-Stern, kurz WR-Stern. Die Bezeichnung geht auf Charles Wolf und Georges Rayet zurück, die am Observatoire de Paris die ersten Vertreter dieses Typus aufgespürt haben. Im Jahr 1867 ermittelten die beiden Franzosen aus den Spektren dreier Sterne deren chemische Zusammensetzung. Die Sonderlinge schienen fast keinen Wasserstoff zu besitzen, dafür zeigten sich breite Emissionslinien von Elementen wie Helium und Kohlenstoff.





