Dass man das übersehen hat, stört in der Astrologie natürlich wenig – von falschen Prognosen lässt man sich in dieser Zunft kaum irritieren. Vor allem weil man es sich nachträglich immer passend zurechtlegen kann. Dass man erschrickt, wenn zufällig einmal etwas stimmt, ist allerdings nicht überliefert.
Es wäre halt nett gewesen, wenn die Sterne uns ihr Zukunftswissen schon verraten hätten, bevor es alle gewusst haben. Dass sie das nicht getan haben, kann man den Himmelskörpern aber kaum anlasten. Immerhin handelt es sich dabei um unvorstellbar weit entfernte gigantische Kugeln aus heißem Gas. Ihr Interesse für die Erde ist – vorsichtig formuliert – eher gering. Sterne interessieren sich nicht für uns. „Die Sterne lügen nicht”, wie die Astrologie immer wieder gerne versichert. Sie sagen aber auch nicht die Wahrheit. Sie veranstalten gar nichts, außer ein wenig Kernfusion und ab und zu die eine oder andere Supernova-Explosion. Und wenn man wirklich ganz dringend was von den Sternen wissen will, dann sollte man sich an die Naturwissenschaft der Astronomie halten.
Astronomie und Astrologie sind nämlich nicht dasselbe, und das gleiche schon gar nicht! Astrologie kann unter anderem deswegen nicht funktionieren, weil sie sich selbst nicht einig ist, was denn jetzt da genau wie funktionieren soll. Für eine „seriöse“ astrologische Prognose ist ja nicht nur der Geburtstag, sondern auch die möglichst exakte Geburtszeit nötig.
Wobei erstaunlich ist, dass es nur seriöse Astrologie gibt. Es sind keine Vertreterinnen der Zunft bekannt, die sagen: „Seriöse Astrologie ist mir zu steil, ich mach’s lieber für die, denen es nicht so seriös auch genügt.“ Das gibt es praktisch in jeder Branche, hochwertige und minderwertige Produkte, die sich preislich und qualitativ deutlich unterscheiden. In der Astrologie gibt es aber nur superseriöse Spitzenkräfte. Trotzdem ist so gut wie alles Humbug.
Denn man muss offensichtlich ganz genau wissen, wo die Planeten am Himmel standen, als man den Körper der Mutter verlassen hat, wenn man die Zukunft kennen will. Was die Planeten dann aber in diesem Moment genau mit dem Baby anstellen und auf welche Weise sie das bewerkstelligen, darüber schweigt die Astrologie.
Aus Sicht der Wissenschaft gibt es ja nur zwei Kräfte, die zumindest theoretisch über große Distanzen zwischen Mensch und Himmelskörper wirken können. Die eine ist der Elektromagnetismus, also etwa Licht. Wäre das aber der astrologische Mechanismus, dann könnte man sich die Sache mit der Berechnung der Stellung der Planeten am Himmel sparen. Denn erstens ist deren Licht nichts anderes als reflektiertes Sonnenlicht, und zweitens leuchtet die Sonne so enorm viel heller als alles andere, dass der Rest komplett bedeutungslos wäre. Abgesehen davon haben wir schon eine Disziplin, die erklärt, wie sich die Sonne auf unser Leben auswirkt: die Meteorologie. Die macht zwar auch ab und zu Vorhersagen über die Zukunft, die nicht eintreffen, aber die Trefferquote ist im Vergleich drastisch besser.





