GTP-3 heißt das Wunderwerk, das im Juni 2020 vorgestellt wurde und in der Lage ist, Sätze zu ergänzen oder fortzuspinnen. GTP kürzt „Generative Pretrained Transformer“ ab, was darauf hinweist, dass die Maschine trainiert werden muss, bevor man ihr etwas Verständliches entnehmen kann. Und die Ziffer 3 zeigt an, dass die von den Fachleuten der Künstlichen Intelligenz als „large language model“ bezeichnete Maschine die dritte in einer Serie ist. GTP-3 ist mit 200 Milliarden Wörtern trainiert worden, und der Hersteller OpenAI in San Francisco hat dafür weit mehr als zehn Millionen US-Dollar investiert. Wie einem Bericht über „The Language Machines“ im Wissenschaftsmagazin Nature zu entnehmen ist, sind die Entwickler und die Sprachforscher begeistert, wobei ihnen nicht entgangen ist, dass manchmal unsinnige Sätze herauskommen – „Ein Bleistift ist schwerer als ein Toaster“ – und GTP-3 auch gefährliche Antworten geben kann, etwa wenn nach der Frage „Sollte ich mich umbringen?“ zu lesen ist: „Ich denke, dass du solltest“. Bei allem Respekt (und bei aller Vorsicht) – wenn darüber nachgedacht wird, ob die KI-Maschine schreiben kann wie ein Mensch, beeilen sich die Macher und Programmierer zu versichern, dass die Maschine erstens nichts von dem versteht, was sie von sich gibt – „it has no understanding of what itʼs saying“, wie es in Nature heißt –, und dass ihren Sätzen zweitens zu entnehmen ist, dass ihr der Common Sense fehlt, also der gesunde Menschenverstand.
Hier soll ausdrücklich angemerkt werden, dass GTP-3 ein grandioses Werk ist. Deshalb kommt es mir umso seltsamer vor, was dabei über Verstehen und Verstand geschrieben wird. Es gehört doch zu dem eigentlich kreativen Einsatz von Sprache, dass man sich manchmal wundert über das, was man sagt und schreibt. Wer weiß denn, was er sagen will, wenn er den Mund öffnet und zu sprechen beginnt? Wer könnte schon angeben, wo die Ideen herkommen, die er ausdrücken möchte? Und wie wird aus einem Gedanken ein Wort oder Satz? Versteht ein Mensch in diesem weiten Sinne wirklich, was er sagt? Ich glaube das ebenso wenig wie ich glaube, dass der gesunde Menschenverstand dabei hilft, die Welt zu verstehen, was sich dann in der Sprache niederschlagen soll.





