Joachim Kurz hat sich in seinem Buch „Die Rothschilds und der Wein“ mit der bekannten und mächtigen Familie und der Konkurrenz der beiden Weingüter befaßt und eine Brücke zwischen der Familiengeschichte und der Geschichte ihrer Weingüter geschlagen.
Der Autor unterteilt sein Buch in zwei große Kapitel. In dem ersten nimmt er die Geschichte und die Entwicklung der Familie Rothschild in Augenschein. Der Aufstieg, der Höhepunkt, aber auch die Krisen und Katastrophen sowie die heutige Situation wird von Kurz beschrieben. In dem zweiten Teil stellt er die Verbindung zu den beiden bekannten Weinanbaugebieten her und schildert deren Entwicklung. Er betont, daß das Schicksal der Familie eng mit dem der Weingüter verbunden ist. Denn zu dem Zeitpunkt als die Rothschildschen Banken an Macht verloren, wuchs die Bedeutung der Weine an. Dabei ergab sich das „Projekt Weinanbau“ eher aus einer Neigung und einer Leidenschaft Nathaniels und James de Rothschild heraus.
Ursprünglich machte die Familie sich einen Namen als anerkannte Bankiersdynastie. Stammvater Mayer Amschel schaffte es, aufgrund seines Verhandlungsgeschicks und seines Gespürs, von dem jüdischen Ghetto in Frankfurt zu europaweiten Ruhm zu gelangen. Nach seiner Lehre bei dem Handelshaus Oppenheim in Hannover wurde er als Geschäftsmann in Frankfurt am Main tätig und gründete dort den Grundsitz seiner Dynastie. Er eröffnete 1750 ein Geschäft für Münz- und Textilhandel sowie Geldwechsel und eine Goldschmiede. Seine fünf Söhne, Amschel, Salomon, Nathan, Carl und Jakob (James) bauten das Finanzimperium weiter aus, mit Sitzen in London, Paris, Wien, Neapel und Frankfurt. Bald gehörten die Rothschilds zu den reichsten Männern der Welt. Auch wenn es zwischen den Brüdern zu Streitigkeiten über die Art und Weise der Geschäftsführung kam, so rühmten sich die Rothschilds damit, daß es keine Rivalität und keine ernsthaften Uneinigkeiten gab.
Mit dem Aufkommen der Aktienbanken und der Großindustrie verloren die Rothschilds an Bedeutung. Zwar besitzt die N.M. Rothschild-Gruppe noch heute mehr als 40 Büros in mehr als 30 Ländern, aber hat längst nicht mehr die Macht, die sie im 19. Jahrhundert hatte.
Im zweiten Teil geht Kurz auf die Entwicklung der Rothschildschen Weingüter und deren Bedeutung ein. 1853 erwarb Nathaniel, der dritte Sohn Nathans, das Weingut Chateau Brane-Mouton in Pauillac bei Bordeaux, das er bald in Mouton-Rothschild umbenannte.
Sein Schwiegervater und Onkel, James de Rothschild, mißgönnte ihm diesen Besitz, da auch seine Passion der Wein und dessen Anbau war. Um die Schmach, kein Weingut zu besitzen, wieder wett zumachen und sich seinen lang gehegten Traum zu erfüllen, ersteigerte er 1868 das angrenzende Weingut Chateau Lafite (Lafite-Rothschild) für einen Rekordsumme von 4,8 Millionen Francs. Doch konnte er seine neueste Errungenschaft nicht lange genießen, da er bereits drei Monate danach verstarb. Die Leitung übernahm sein Sohn Edmond, der ebenfalls ein besonderes Interesse für den Weinbau hatte. Dies zeigte sich besonders an seinen Bemühungen, den Anbau im Palästina zu fördern. .





