von ROLF HEßBRÜGGE
Für Medizinstudenten im Präparierkurs waren Faszien früher nur die lästige Zwischenschicht unterhalb des Fettgewebes. Sie mussten die 0,3 bis 3 Millimeter dünnen Gewebehüllen beim Sezieren durchtrennen, um an die interessanten Forschungsobjekte zu gelangen: Muskeln, Knochen, innere Organe. Doch inzwischen wissen Ärzte: Faszien schützen und stützen nicht nur all diese inneren Strukturen, sie sind selbst ein hochkomplexer und sensibler Bestandteil des Körpers. Martin Grunwald, Leiter des Haptik-Forschungslabors am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung an der Universität Leipzig, errechnete, dass unser fasziales Bindegewebe von rund 100 Millionen Nervenrezeptoren durchzogen ist. Manche Wissenschaftler bezeichnen es sogar als Sinnesorgan. In den letzten Jahren ist es bei der Suche nach Schmerzursachen in den Fokus gerückt.





