Das erstaunliche Phänomen haben Wissenschaftler des Werner-Reichardt-Centrums für Integrative Neurowissenschaften sowie des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik in Tübingen genutzt, um spezielle Schaltkreise im sogenannten parietalen Kortex zu entschlüsseln. Das ist ein Bezirk der Großhirnrinde, der unter anderem an der Zielauswahl von Augenbewegungen beteiligt ist. Dazu projizierten sie 15 Probanden jeweils ein Haus auf das eine und ein Gesicht auf das andere Auge. Wie erwartet, erlebten die Versuchsteilnehmer einen periodischen Wahrnehmungswechsel. Als die Forscher daraufhin den parietalen Kortex mittels nicht-invasiver Magnetstimulation störten, fanden diese Wahrnehmungswechsel deutlich seltener statt. „Unsere Versuche zeigen, dass der posteriore parietale Kortex ursächlich an der Auswahl beteiligt ist, welche Informationen von uns bewusst wahrgenommen werden“, erklärt dazu einer der Studienautoren. „Das beweist, dass er eine große Rolle in unserem visuellen Bewusstsein spielt.“
Man kann die binokulare Rivalität leicht selbst ausprobieren. Dazu muss man nur zwei unterschiedliche Bilder vor das linke und rechte Auge halten. Dann entscheidet sich das Gehirn spontan für eines der beiden. Das sieht man eine Weile, dann springt die Wahrnehmung plötzlich um, und man erkennt nun das andere. Bis plötzlich wieder das erste Bild da ist. Und das geht immer so weiter. Allerdings können bestimmte Eigenschaften der Bilder den Effekt verändern: Sieht man etwa mit dem einen Auge ein Gitter aus dünnen horizontalen und vertikalen Linien und mit dem anderen gleichzeitig ein ebensolches Gitter mit wesentlich dickeren Linien, dann dominiert der starke Reiz, und das auffälligere Gitter drängt sich häufiger ins Bewusstsein als der schwache.
Allerdings tritt die binokulare Rivalität nicht bei allen Menschen gleich intensiv auf. Während die meisten den abwechselnden Seheindruck sehr deutlich wahrnehmen, haben andere damit Mühe. Das liegt möglicherweise daran, dass die Augendominanz von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt ist.





