Die Venus ist trotz der harschen Bedingungen in ihrer Atmosphäre der Erde ähnlicher als bislang gedacht: An den Polen des Planeten bilden sich Luftwirbel, wie sie im Winter auch auf der Erde auftreten. Außerdem gibt es Anzeichen für elektrische Entladungen in den Wolken. Das haben mehrere internationale Forscherteams an Messdaten der europäischen Raumsonde Venus Express gezeigt. Die Sonde umkreist die Venus bereits seit mehr als einem Jahr und soll mit ihren Messungen Erklärungen liefern, warum der Planet sich ganz anders entwickelte als die Erde.
Obwohl die Venus mit Oberflächentemperaturen von 460 Grad Celsius und einem Druck von 92 bar so gar nicht an die Erde erinnert: Wissenschaftler gehen davon aus, dass unser Nachbarplanet unter ganz ähnlichen Voraussetzungen entstanden ist wie die Erde. Wasser hat sich auf der Erde in Ozeanen gesammelt, die Venus hat Wasser an den Weltraum verloren. Und während Kohlendioxid auf der Erde in Karbonatgesteinen fixiert ist, macht es auf der Venus den Großteil der Atmosphäre aus.
Die Forscher beobachteten die Luftbewegungen in den Atmosphärenschichten der Venus. Am Südpol fanden sie beispielsweise eine stabile Wirbelstruktur von Luftströmungen. Diese sei ganz ähnlich den Wirbeln auf der Erde, die sich im Winter an den Polen bildet. In einer Höhe von 70 Kilometern fand die Sonde Wolkenbewegungen mit einer Geschwindigkeit von 360 Kilometern in der Stunde. Dies entspricht etwa dem zwei- bis dreifachen des sogenannten Jetstreams auf der Erde, den sich Langstreckenflugzeuge für ein schnelleres Fortkommen zunutze machen können.
Bislang nahmen Astronomen an, dass sich in der dichten Wolkendecke der Venus keine Blitze bilden können. Mit Instrumenten der Sonde konnten die Forscher jedoch niederfrequente elektromagnetische Wellen empfangen, die als Hinweis auf elektrische Entladungen in den Wolken dienen.
Als äußerst komplex zeigte sich die Wechselwirkung zwischen dem Sonnenwind und der Atmosphäre. Da die Venus kein eigenes Magnetfeld besitzt, hat sie keinen Schutzschild wie die Erde gegen den Teilchenschauer von der Sonne. Aus nicht genau bekannten Gründen wird der Sonnenwind dennoch abgelenkt und wirkt kaum auf die Atmosphäre ein. Mit den Messungen der nächsten Jahre wollen die Forscher ihr Bild von unserem Nachbarplaneten vervollständigen.
Hakan Svedhem (Europäische Weltraumorganisation in Noordwijk) et al. etc: Nature, Bd. 450, S. 629 ff ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





