Rada folgt aber dem Lebenslauf der Oder. Etwas irritierend ist, dass er der Fluss zunächst in seiner ganzen geographischen Dimension vorstellt, so dass man glauben könnte, bei der Oder handele es sich um einen bis dato unbekannten Strom, und nicht um einen der Namensgeber der Oder-Neiße-Grenze. Aufgrund seiner bewegten Geschichte steht der Fluss heute noch immer für Krieg, Trennung und Versöhnung, vor allem aber für Hoffnung auf eine gemeinsame europäische Zukunft. Denn die Bewertung der Oder hing oftmals von der Länderperspektive ab: Aus deutscher Sicht schuf Friedrich der Große durch die Trockenlegung des Oderbruchs zum ersten Mal einen zusammenhängenden Flussraum, Polen verbindet mit ihr allerdings die Teilungen des Landes.
Jedes Kapitel ist mit einer interessanten Erzählung eingeleitet, in der etwa Theodor Fontane, Studenten der Oderakademie auf der MS Kuna oder auch Bewohner der Stadt Glogau, die am 8. Februar 1945 zur Festung erklärt wurde, mit ihrem Bild der Oder zu Wort kommen. Viele Quellenausschnitte, die von Andreas Gryphius bis Henryk Bereska reichen, führen dem Leser vor Augen, dass die Oder durchaus literarische Seiten zu bieten hat und machen das Buch zu einem interessanten Lesebuch, das allerdings stellenweise noch mehr historisch in die Tiefe hätte gehen können.
Weitere Literatur zum Thema: Uwe A. Oster (Hrsg.), Flüsse in Deutschland. Eine Kulturgeschichte, Darmstadt 2007.
Rezension: Carmen Fischer




