Den Nobelpreis in Physiologie oder Medizin teilt sich in diesem Jahr der Amerikaner Paul Lauterbur mit seinem britischen Kollegen Peter Mansfield. Die Entdeckungen der beiden Forscher auf dem Gebiet der Magnetresonanz waren ein entscheidender Durchbruch sowohl für die Krankenbehandlung als auch für die medizinische Forschung. Sie führten zur Entwicklung der modernen Magnetresonanztomographie (MRT) – einer Routinemethode in der heutigen Krankenuntersuchung. Mit MRT ist es Medizinern möglich, die inneren Organe eines Menschen exakt und schonend ohne Röntgenstrahlen abzubilden.
Den Nobelpreis für Physik erhielten der russisch-amerikanische Staatsbürger Alexei A. Abrikosov, der Russe Vitaly L. Ginzburg sowie der amerikanisch-britische Staatsbürger Anthony J. Legett. Die Physiker führten entscheidende Arbeiten über zwei quantenphysikalische Phänomene aus: Sie wurden für ihre Forschungen über Supraleitung und Suprafluidität geehrt. Supraleitendes Material wird zum Beispiel in Sensoren für medizinische Untersuchungen und in Teilchenbeschleunigern zur Erzeugung extrem starker Magnetfelder verwendet. Suprafluide Flüssigkeiten können Auskunft darüber geben, wie Materie in ihrem niedrigsten und höchstgeordneten Energiezustand auftritt.
Mit dem Nobelpreis für Chemie wurden die Amerikaner Peter Age und Roderick MacKinnon ausgezeichnet. Sie haben geklärt, wie Wasser und Salze durch spezifische Kanäle aus den Zellen des Körpers heraus und wieder hinein transportiert werden. Dadurch gewann man fundamentale molekulare Einblicke, wie etwa die Niere Wasser aus dem Primärurin zurückgewinnt und wie elektrische Signale in unseren Nervenzellen erzeugt und weitergeleitet werden. Die Erkenntnisse haben große Bedeutung für das Verständnis von Erkrankungen des Herzens, der Niere, der Muskeln und des Nervensystems. Der Preis verdeutlicht, dass die Biochemie auf das atomare Niveau hinabgehen muss, um die Lebensprozesse im Grundsatz zu verstehen.
Die diesjährigen Träger des Preises für Wirtschaftswissenschaften der Bank von Schweden sind der Brite Clive W. J. Granger und der Amerikaner Robert F. Engle, deren Methoden zur Analyse ökonomischer Zeitreihen ausgezeichnet wurden. Darunter versteht man chronologische Reihenfolgen von Daten, die zum Beispiel die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, von Preisen, Aktienkursen oder Zinssätzen zeigen.
Der Nobelpreis für Literatur ging an den südafrikanischen Schriftsteller J. M. Coetzee. Den Friedensnobelpreis bekam die iranische Menschenrechtlerin und Anwältin Shirin Ebadi.
Die Auszeichnungen sind jeweils mit umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro dotiert. Die Nobelpreise werden am 10. Dezember in Stockholm beziehungsweise Oslo verliehen.
Hans Groth





