Laserlicht kann ein chemisches Element in ein anderes umwandeln. Was bisher nur in Teilchenbeschleunigern und Atomreaktoren möglich war, gelang britischen Physikern mit einem besonders starken Laser. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausg. vom 23. August).
Die alten Alchimisten würden die Wissenschaftler um Ken Ledingham von der Universität Strathclyde in Glaskow wahrscheinlich mit einem weinenden und einem lachenden Auge betrachten. Weinend, weil die Physiker das Streben der Alchimisten, aus unedlen Metallen Gold zu machen, ad absurdum geführt haben: Sie wandelten Gold in das unedlere Quecksilber um. Lachend, weil die Wissenschaftler mit ihrem Laser den “Stein der Weisen” gefunden haben und nun tatsächlich in der Lage sind, mit relativ wenig Aufwand ein chemisches Element in ein anderes umzuwandeln.
Die neuen Alchimisten sind im wahrsten Sinne des Wortes zum Kern des Problems vorgestoßen: Während ihre mittelalterlichen Kollegen mit ihren Methoden nur gewöhnliche chemische Reaktionen erreichten und damit ausschließlich die Elektronenanordnung an der Oberfläche der Atome veränderten, manipulierten Ken Ledingham und seine Kollegen mit ihrem Laser die Atomkerne selbst. Sie können diesen sowohl Protonen hinzufügen und damit die Identität des Elements völlig verändern, als auch die Anzahl der Neutronen im Kern erhöhen und erniedrigen, was die Stabilität radioaktiver Elemente entscheidend beeinflusst.
Mit ihrer Entdeckung könnten radioaktive Abfälle unschädlich gemacht und seltene radioaktive Stoffe für die Medizin einfacher hergestellt werden. Auch wenn der “Vulkan” getaufte Laser im Moment noch die Größe eines kleinen Hotels hat, ist Ken Ledingham zuversichtlich, dass in wenigen Jahren jedes Krankenhaus über diese Technik verfügen wird. Die Lasertechnologie entwickle sich so rasend schnell, dass ein Laser mit der Kraft von Vulkan in wenigen Jahren wahrscheinlich auf eine Tischplatte passen wird, sagte er dem New Scientist.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





