
Wenn Jan Haft diese Symbiose hinter seinem Haus beschreibt, wird nicht nur die Botschaft deutlich, sondern auch sein Schreibtalent. Die Botschaft: Es ist einfach, neue Wildnis herzustellen. Dazu müssten wir wieder große Pflanzenfresser ansiedeln, so wie es ursprünglich war. Bisons grasten in den Prärien Amerikas und Auerochsen in Europa. Die weidenden Huftiere trampeln und düngen, halten die Landschaft offen und hell, und schaffen so in kurzer Zeit eine Artenvielfalt, die man im Wald oder auf Futterwiesen vergeblich sucht.
Dieses Wissen, belegt durch großangelegte Versuche, widerspricht der Überzeugung, Wildnis sei Land, in das der Mensch nicht eingreifen darf. Doch dieser „Prozessschutz“ bewirkt, dass Wälder für die meisten Arten zu dunkel werden und offene Landschaften verbuschen. Selbst wenn man mäht, werden sie niemals zu den Hotspots der Artenvielfalt, die große Weidetiere hervorbringen. Ganz nebenbei speichern Weiden mehr Kohlenstoff als Wald, sie sind also auch besser fürs Klima.
Dem Biologen und Naturfilmer ist mit diesem zukunftsweisenden Essay etwas Besonderes gelungen. Am liebsten würde man das Buch jedem Naturschützer, Bauern, Landbesitzer oder Politiker schenken. Ilona Jerger
Jan Haft
WILDNIS
Penguin, 144 S., € 18,–
ISBN 978-3-328-60273-6





