Wäre es daher nicht schön, wenn man all diese Nutzpflanzen-Sorten mit Gentechnik pilzresistent machen könnte? So weit ist es zwar noch nicht. Aber immerhin stellten chinesische Forscher im April eine Wildgras-Art vor, die durch den Einbau eines bestimmten Gens aus einem anderen Pilz resistent gegen Fusarium-Befall geworden war. Grüne Gentechnik wie aus dem Lehrbuch also: Meine Pflanze hat ein Problem, also nehme ich mir ein „Problemlöser“-Gen aus einem anderen Organismus, schleuse es funktionell in das Pflanzen-Genom ein – und habe das Problem ein für alle Mal gelöst.
Allerdings waren Forscher hieran nicht beteiligt. Ganz von alleine übernahm die Natur vor Jahrmillionen die Rolle des Grünen Gentechnikers und schleuste das Pilz-Gen via horizontalem Gentransfer in die Gras-Vorfahren ein. Hätte sie es damals nicht gemacht, wäre diese Gräser-Linie womöglich schon lange ausgestorben.
Und die chinesischen Forscher? Die konnten durch vergleichende Erbgut-Analysen lediglich nachweisen, dass die Natur dieses Szenario vor Urzeiten tatsächlich genauso ablaufen ließ.
Wie aber passt das zu dem Pauschalargument der Gegner jeglicher Gentechnik, dass deren Einsatz „unnatürlich“ sei – vielmehr sogar „wider die Natur“?
Dazu ein paar Fakten: In Hunderten von Projekten wurden weltweit die mittelfristigen Folgen und Nichtfolgen der Anwendung gentechnischer Methoden erforscht. Das einhellige Ergebnis all dieser Prüfungen: Die Gentechnik und ihre Produkte sind grundsätzlich sicher. Selbst die befürchtete Auskreuzung von Fremdgenen in „natürliche“ Pflanzenpopulationen ist praktisch vom Tisch. So wird in Spanien seit über zwölf Jahren konventioneller Mais zu ungefähr gleichen Teilen neben gentechnisch verändertem, insektenresistentem Mais angebaut – eine Auskreuzung des Resistenz-Gens wurde trotz scharfen Screenings niemals beobachtet.
Kein kurioser Einzelfall
Vielleicht nennen die Gentechnik-Gegner ja auch deshalb immer weniger wissenschaftliche Argumente: Weil diese einfach immer dünner werden. Stattdessen diskreditieren sie lieber gleich die Wissenschaft an sich. Oder sie verurteilen die gentechnischen Verfahren aufgrund eines falsch-romantischen Naturbegriffs schlichtweg als „unnatürlich“.
Halbwegs haltbar wäre das, wenn der eingangs erwähnte horizontale Gentransfer von Pilz zu Pflanze nicht mehr wäre als ein kurioser Einzelfall. Tatsächlich stimmt aber das Gegenteil: Horizontaler Gentransfer über Artgrenzen hinweg ist vielmehr schon seit Anbeginn des Lebens auf Erden ganz normal in der Natur.





