Sie ist heute weitverzweigt und umfasst insgesamt einige tausend Personen; das Namensregister listet auf mehr als vier Spalten die im Buch erwähnten Mitglieder auf. Thies entscheidet sich daher für eine strikte Auswahl der fünf renommiertesten Vertreter – drei Männer und zwei Frauen. Aber auch weitere weibliche Mitglieder werden durchweg gleichberechtigt sichtbar gemacht. Die Lebensläufe und damit Charaktere werden zumeist über das ganze Leben der Personen hinweg verfolgt.
Am Anfang steht der erste preußische Generalstabschef, Helmuth Carl Bernhard Graf von Moltke. Als bemerkenswerter Spätzünder machte er erst nach einem langen Aufenthalt als Militärberater im Osmanischen Reich Karriere. Diese ließ ihn zu einem preußisch-deutschen Mythos werden, zumal in den sogenannten „Reichseinigungskriegen“ der Jahre 1864 bis 1871 – die Schlacht von Königgrätz 1866 steht im Buchtitel.
Dabei ging es freilich auch um einen Grundsatzkonflikt mit Bismarck über eine rein militärische (das heißt eine Mischung von „Archaischem und Technischem“) oder auch eine politische Kriegführung. Am Ende seines langen Lebens 1890 jedoch zweifelte Moltke, ob Kriege künftig noch geführt werden könnten. Sein Neffe, Helmuth der Jüngere, wurde in seinem Schatten gleichfalls Generalstabschef, war jedoch eine ganz andere, weichere Persönlichkeit. Gewiss drang er auf einen Krieg, der dann bis Ende 1914 tatsächlich von ihm geführt wurde. Der den Anthroposophen nahestehende Mann war in manchem jedoch hilflos und überfordert.
Dorothy von Moltke stammte aus Südafrika, heiratete einen Neffen des jüngeren Moltke und gab ihrem Zweig der Familie eine neue, internationalere Ausrichtung. Das traf vor allem für ihren Sohn zu, Helmuth James Graf von Moltke, der den vom Großonkel übernommenen Gutsbesitz in Kreisau zu einem intellektuellen Zentrum des Widerstands gegen die Nationalsozialisten machte. Seine Frau Freya von Moltke, aus dem Kölner Bürgertum stammend, führte nach dem Krieg ein internationales Leben weiter und starb erst Anfang 2010 in Vermont. Gewiss half der Name des ersten Moltke auch seinen Nachfahren, aber sie entwickelten doch in vielerlei Hinsicht zivil‧gesellschaftliches und internationales Profil, wie der Autor einfühlsam herausarbeitet.
Thies schreibt lesenswerte, lebensnahe Biographien, hat gut in diversen Familienpapieren recherchiert. Die durchaus auch kritische Sympathie des Autors mit den Protagonisten seines Themas geht fast nahtlos auf die Leser über.
Rezension: Prof. Dr. Jost Dülffer




