Die zentrale These Friedrichs lautet, dass Berlin letztlich eine von den Nationalsozialisten missbrauchte Stadt gewesen sei. Hitler habe dort nicht nur „politisch experimentiert“ und „exemplarisch öffentlichen Raum erobert“, vielmehr hätten die städtebaulichen Visionen Hitlers Berlin zur missbrauchten Stadt gemacht. Die These ist interessant, macht aber aus dem „armen Berlin“ ein Opfer. Das war es nicht. Es war schlicht eine Großstadt, in der in schwerer Zeit um politische Macht gerungen wurde.
Dennoch hat Thomas Friedrich ein lesenswertes Buch geschrieben. Er kann gut strukturieren und spannend erzählen, und er hat zahlreiche lokale Quellen zusammengetragen, die ein lebendiges Bild Berlins in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg vermitteln.
Rezension: Trümner, Hartmut




