Eine Welt im Umbruch – das bleibt nicht ohne Einfluss auf das Lebensgefühl der Menschen, auch das der Künstler und derjenigen, die sich deren Kunst leisten konnten. Dieser Wandel lässt sich an den herausragenden Exponaten der neugestalteten Nürnberger Dauerausstellung nachvollziehen, von denen hier einige vorge‧stellt werden. Die Ausstellung stellt einen echten Neubeginn dar. Anders, als es früher der Fall war, präsentiert sie die Kunstwerke – Gemälde, Skulpturen, Schmuck, Textilien, Möbel, Musikinstrumente … – in thematisch gegliederten Räumen in ihrem kulturgeschichtlichen Zusammenhang. Ziel ist es, „bisher getrennt ausgestellte Objektgruppen zusammenzuführen“ und damit ein „integrales Verständnis der Sachkultur vergangener Jahrhunderte“ zu fördern, schreiben Ulrich Grossmann und Daniel Hess in der Begleitpublikation. Der Rundgang gerät so zum eindrucksvollen Erlebnis der kunst- und kulturgeschichtlichen Entwicklung zwischen dem Spätmittelalter und der Zeit der Französischen Revolution.
Er setzt im 15. Jahrhundert ein, einer europäischen Wendezeit. Südeuropäische Seefahrer entdeckten immer neue Welten, und die Ausweitung des geographischen Horizonts revolutionierte auch das Weltbild. „Was für ein Zeitalter! Es ist eine Freude zu leben“, schwärmte Ulrich von Hutten. Auch nördlich der Alpen kam es zu einer „Renaissance“ der Antikenrezeption und einem Aufblühen der Künste und Wissenschaften. Der auf Anregung des Tuchhändlers Martin Behaim 1492/93 in Nürnberg geschaffene „Erdapfel“, die älteste heute noch erhaltene Darstellung der Welt in Kugelform ist ein Beispiel für die neue Sicht der Welt… Behaims Globus, der in vielen kurzen Texten das geographische und historische Wissen der Zeit ausbreitet, war wohl als Appell an potentielle Geldgeber gedacht, in die großen Seefahrtsunternehmen zu investieren. Bezahlt hat den Globus die Stadt Nürnberg, aufgestellt wurde er in der Ratskanzlei.
Finanzkräftige Kaufleute aus den großen süddeutschen Handelsstädten investierten tatsächlich bald in Expeditionen. Dieses Interesse fand seinen Niederschlag auch in Tafelgerät in Schiffsform, das nun auch in Patrizierhäusern im Binnenland zum Statussymbol wurde. Das „Schlüsselfelder Schiff etwa (Bild), ein außerordentlich kunstvoll gearbeitetes Stück (Silber, teilvergoldet; um 1503), weist das Wappen im Wimpel als Besitz der Nürnberger Kaufmannsfamilie Schlüsselfelder aus. Die 79 Zentimeter hohe Karacke – ein hochseetauglicher Schiffstyp, der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Genua auftauchte und bis ins 17. Jahrhundert weit verbreitet war – ist im Auslaufen begriffen, ein kleines Segel ist bereits gesetzt, Matrosen machen sich an anderen zu schaffen. Viel weiteres Personal ist an Deck. Das Schiff besaß einen immensen Wert. Der Wert des Silbergewichts von 5,9 Kilogramm entsprach etwa dem Kaufpreis eines Nürnberger Stadthauses…
Literatur: Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Bd. 3). Nürnberg 2010.




