Von HARTMUT NETZ
Fischerschöpfungstag war 2022 bereits am 12. März. An diesem Tag waren rechnerisch alle heimischen Fischressourcen verspeist. Wäre ausschließlich hierzulande gefangener oder gezüchteter Fisch im Handel, stünden die Konsumenten seitdem vor leeren Regalen. 14 Kilo Fisch und Meeresfrüchte essen die Deutschen im Schnitt pro Kopf und Jahr. Doch von den im Jahr 2020 konsumierten rund 1,2 Millionen Tonnen Wassergetier stammte nur knapp ein Fünftel aus eigener Produktion. Da stellt sich die Frage: Woher kommt der Rest?
Weit über zwei Drittel des hierzulande verzehrten Fischs stammt aus dem Meer. Der deutsche Konsum stagniert seit Jahren, doch weltweit ist der Fischhunger gestiegen. Unter anderem, weil sich die Weltbevölkerung seit 1970 mehr als verdoppelt hat – und das vor allen in Regionen, wo seit jeher viel Fisch auf den Tisch kommt. Im gleichen Zeitraum hat sich Fischfang zur globalen Industrie entwickelt. Rund 4,5 Millionen Fangschiffe, kleine und große, motorisierte und unmotorisierte, beteiligen sich laut der Welternährungsorganisation FAO an der Jagd auf Wildfisch.
Darunter sind auch bis zu 140 Meter lange Riesentrawler, auf denen der Fang sofort verarbeitet und eingefroren wird. Solche schwimmenden Fischfabriken machen zwar nur ein Prozent der globalen Fangflotte aus, sacken jedoch rund die Hälfte der weltweiten Fangmenge ein – moderne Technik macht es möglich. Dank GPS steuern sie die Fischgründe präzise an, orten per Echolot Bonito-, Herings-, Makrelen- oder Sardinenschwärme und fangen mit gigantischen Netzen und kilometerlangen, mit Tausenden beköderten Haken gespickten Leinen in kürzester Zeit riesige Mengen Fisch.
Doch der Reichtum der Meere geht zur Neige. Trotz immer weiter verfeinerter Technik stagniert die weltweite Fangmenge seit Anfang der 1990er-Jahre bei rund 80 Millionen Tonnen. Laut FAO werden etwa 60 Prozent der Wildfischbestände maximal befischt – eine Steigerung ist nicht mehr möglich. Ein gutes Drittel ist sogar überfischt oder bereits kollabiert. Hinzu kommt der Klimawandel, der die Fischbestände laut einer Studie der Umweltstiftung WWF in den kommenden Jahrzehnten um bis zu einem Fünftel dezimieren könnte. Bereits heute deckt Wildfang weniger als die Hälfte des weltweiten Fischbedarfs. Die größere Hälfte kommt aus Fischzuchten an Land oder aus Netzgehegen im Meer –mit steigender Tendenz.
Riesige Aquakulturen in Asien
Aquakultur, wie Fischzucht auch genannt wird, hat ihren Schwerpunkt in Asien, wo über 90 Prozent aller Fische, Algen und Meeresfrüchte gezüchtet werden. Führend ist China, von wo über die Hälfte der weltweiten Produktion stammt. Zwar lebt der Großteil der chinesischen Zuchtfische von Süßwasser, doch seit den 80er-Jahren fördert die Regierung vehement Aquafarming von Meeresarten wie Muscheln, Schnecken, Garnelen, Doraden oder Zackenbarschen.Die Küste vor der Stadt Ningde im Südchinesischen Meers hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu einem der weltweit größten Aquakultur-Zentren für Fisch und Algen entwickelt. Auch südostasiatische Staaten wie Vietnam, Indonesien oder die Philippinen betreiben große Aquakulturen. An ihren Küsten reiht sich kilometerweit Becken an Becken.





