So ging die Kultur der Moche in Peru um 700 n.Chr. unter, nachdem heftige Überschwemmungen und Dürren den Menschen die Lebensgrundlage entzogen hatten. 200 Jahre später zerfiel das Reich der Maya im Tiefland Mittelamerikas, weil die ausgetrockneten Felder nicht mehr genug Nahrung für das dicht besiedelte Land lieferten. Die Maya hatten Sümpfe urbar gemacht und unfruchtbaren Urwaldboden beackert. Sie reizten die Möglichkeiten aus, die ihnen das Land bot ein Erfolg, der ihnen, als das Klima kippte, zum Verhängnis wurde.
Nicht einmal das starke Pharaonenreich am Nil war gegen Klimakapriolen gefeit. Etwa 2150 v.Chr. wäre die ägyptische Hochkultur fast zerbrochen, weil das Nil-Hochwasser jahrelang auf sich warten ließ und die Menschen hungerten. Doch es blieb bei sozialen Unruhen. Eine neue Pharaonen-Dynastie etablierte sich, die staatliche Vorsorge traf und Getreidevorräte für Notzeiten anlegte.
Aus diesem und anderen historischen Beispielen zieht Fagan den Schluss: Man kann den Unbilden des Wetters ein Schnippchen schlagen. Mit einer vorausschauenden, vernünftigen Politik lässt sich das Schlimmste abwenden. Schlechte Karten im Klimapoker haben lediglich Kulturen mit einem verkrusteten, unflexiblen Herrschaftssystem. Denn sie können auf eine veränderte Umwelt nicht rasch genug reagieren und geraten in den Teufelskreis von Dürre, Hungersnot, Bürgerkrieg und Untergang.
In seiner klimatisch-historischen Rückschau legt Fagan einen Schwerpunkt auf Klimaanomalien, die auf “El Nino” zurückgehen eine aller paar Jahre um die Weihnachtszeit (“el nino”, spanisch: Christkind) im südlichen Pazifik auftretenden Störung mit weltweiten Auswirkungen. Ob in der Geschichte der Maya, der Moche oder der Pharaonen stets spielte El Nino eine Schlüsselrolle. Wir in Deutschland bekommen das Christkind allerdings nicht zu spüren.
Der große Pluspunkt des Buches: Fagan hat sich vom Thema nicht verleiten lassen, gewagte Schlüsse zu ziehen oder Ängste zu schüren. Er berichtet sachlich über den Stand des Wissens, nur selten blitzt eine Meinung durch. Selbst die aktuelle Diskussion über die globale Erwärmung streift er nur am Rande, als gäbe es dafür noch zu wenig gesicherte Erkenntnisse. Doch ein Resümee zieht er doch: Das aktuelle Klimaproblem betrifft nicht einzelne Regionen und Reiche wie in historischer Zeit, sondern die ganze Welt. Folglich “hängt das Schicksal der industriellen Zivilisation davon ab, dass die einzelnen Nationen zusammenarbeiten”. Das klingt wie ein Appell an Präsident Bush, das internationale Klimaabkommen doch noch zu unterzeichnen. Weitsichtig denn als Fagan das Buch geschrieben hat, war Bush noch nicht im Amt.
Klaus Jacob schreibt als freier Journalist vor allem über Themen aus Umwelt, Klima und Geowissenschaften.





