Wir alle müssen essen und trinken. Tag für Tag, unser Leben lang. Und da die meisten von uns das nicht nur möglichst genussvoll, sondern auch gesundheitsbewusst tun wollen, präsentieren Scharen von Fernsehköchen auf dem Bildschirm ständig neue Köstlichkeiten und Wissenschaftler in Fachzeitschriften Ernährungsstudien. Viele davon werden von den Medien begierig aufgegriffen und verbreitet, und zwar umso eifriger, je spektakulärer die Ergebnisse zu sein scheinen. Doch immer wieder sorgen aktuelle Publikationen für Verwirrung, weil sie früher veröffentlichten widersprechen. Heute ist Fett schädlich, morgen hilft es bei der Verdauung, heute schadet uns Zucker, morgen ist Salz der Übeltäter, und übermorgen stimmt das Gegenteil. So hieß es etwa lange Zeit, rotes Fleisch erhöhe das Risiko für einen Herzinfarkt, doch laut aktuellen Studienergebnissen stimmt das nicht. Rotwein, konnte man lesen, schütze das Herz. Doch dem widersprechen neuere Untersuchungen vehement. Omega-3-Fette galten lange als das Nonplusultra, doch seit Kurzem ist sich die Wissenschaft da nicht mehr so sicher, belegt doch eine Studie der Forschergruppe der Universität Innsbruck unter Leitung von Lisa Mayr und Felix Grabherr, dass Omega-3- und andere mehrfach ungesättigte Fette im Darm entzündliche Reaktionen auslösen können, die denen von Morbus Crohn ähneln. Das gelte, schreiben die Wissenschaftler, vor allem für Menschen, die mehr davon zu sich nähmen, als ihr Körper benötige, das heißt mehr, als etwa in 100 Gramm Lachs enthalten ist.
Beobachtungsstudien
Mittlerweile gibt es zu praktisch jedem Ernährungsthema so viele Studien, dass man, um es ein wenig überspitzt zu formulieren, nur lange genug suchen muss, um eine Empfehlung zu finden, die einem gerade ins Konzept passt. Aber warum warten gerade Veröffentlichungen zum Thema Ernährung immer wieder mit widersprüchlichen Ergebnissen auf, was ja zwangsläufig bedeutet, dass viele Resultate schlicht falsch sein müssen? Das liegt vor allem daran, dass sämtliche Schlussfolgerungen in der Regel das Ergebnis sogenannter Beobachtungsstudien sind. Dabei verfolgen Wissenschaftler über längere Zeit mehrere Gruppen von Menschen, die sich unterschiedlich ernähren, und lassen sie über ihre Mahlzeiten Aufzeichnungen führen. Währenddessen wird in regelmäßigen Abständen der Gesundheitszustand der Probanden erfasst, und daraus zieht man dann allgemeine Schlüsse. Das gilt etwa auch für viele Studien, die sich mit der Reduzierung des Herzinfarkt-Risikos beschäftigen. So haben Untersuchungen einer Forschergruppe um Brian Buijsse vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam ergeben, dass nur 8 Gramm dunkle Schokolade pro Tag das Infarktrisiko um 39 Prozent senken. Eine andere Studie kam zu dem Schluss, täglich eine Handvoll Nüsse reduziere das Risiko sogar um 48 Prozent, und einer dritten Untersuchung zufolge kann man mit einmal fettem Fisch pro Woche die Infarktgefahr noch einmal um 44 Prozent herabsetzen. Ironisch interpretiert würde das bedeuten, dass eine kombinierte Schokolade-Nüsse-Fisch-Diät das Herz praktisch unangreifbar macht. Dass das schlichtweg Blödsinn ist, liegt auf der Hand.








