Mit dem Versprechen, die Konsequenzen aus der katastrophalen Lage in Vietnam zu ziehen und „die Jungs nach Hause zu holen“, hatte Richard Nixon seinen Wahlkampf im Herbst 1968 bestritten und gewonnen. In der Folge ging es nur noch darum, wann und wie schnell das Unvermeidliche umgesetzt würde. Obwohl Nixon nichts unversucht ließ, doch noch eine militärische Entscheidung zu Amerikas Gunsten zu erzwingen, und deshalb bis Ende 1972 den Luftkrieg eskalieren ließ, musste er einen Abzug auf Raten in die Wege leiten – eine kriegsmüde Bevölkerung, die rebellierende Jugend und ein allmählich sich seiner außenpolitischen Kontrollbefugnisse besinnender Kongress ließen ihm keine andere Wahl.
Seit der Entsendung der ersten Bodentruppen im Frühjahr 1965 waren 2,6 Millionen GIs nach Vietnam geschickt worden. Zwischen Mitte 1968 und April 1969, in der intensivsten Phase des Krieges, erreichte die Mannschaftsstärke mit 543 000 Mann ihren höchsten Stand. Doch nur jeder zehnte Soldat absolvierte Kampfeinsätze bei „primären Kampftruppen“, also in Einheiten der Infanterie, bei gepanzerten Verbänden und der Artillerie. Weil die Guerilla sich auf Angriffe gegen „weiche Ziele“ konzentrierte, musste der größte Teil der US-Truppen zum Schutz von Stützpunkten, Kommunikationswegen sowie Bevölkerungszentren abgestellt werden. Jenseits dessen betrieb die US Army einen extrem personalintensiven Aufwand, um den Soldaten möglichst viele Annehmlichkeiten aus dem zivilen Leben angedeihen zu lassen – von der Verpflegung über klimatisierte Unterkünfte bis hin zu Kurzurlauben im asiatischen Raum. Und nicht zuletzt schlug zu Buche, dass die Amerikaner von Häfen bis zu Rollbahnen einen guten Teil der kriegsrelevanten Infrastruktur mit eigenen Kräften bauen mussten. Dass man trotz dieser extrem ungleichen Verteilung nicht bei Versorgungs- und Unterstützungseinheiten ansetzte, sondern die Kampftruppen als Erste nach Hause schickte, hatte einen politischen Grund. Allein aus den Reihen der Infanterieschützen kam ein Drittel aller amerikanischen Kriegstoten – und nichts gab dem Protest an der Heimatfront mehr Auftrieb als die Empörung über ihre sinnlos geopferten Leben.
Bereits im August 1969, acht Monate nach Nixons Amtsantritt, hatten alle US-Kampfbataillone die IV. Corps Tactical Zone im Süden des Landes verlassen und damit die heftig umkämpfte Region zwischen den Provinzen An Xuyen und Kien Tuong zu beiden Seiten des Mekong-Deltas geräumt. Bis Ende Dezember 1969 waren 68 000 GIs abgezogen worden. Im Jahr darauf verließen weitere 140 000 das Land, und am 1. Dezember 1971 war die US-Militärpräsenz auf 184 000 Mann geschrumpft. Statt mit Kampfaufträgen waren diese vornehmlich mit der Ausbildung und Versorgung vietnamesischer Truppen befasst. Als die nordvietnamesische Armee im März 1972 zu ihrer berühmten „Osteroffensive“ ansetzte und von der demilitarisierten Zone bis zur Hauptstadt Saigon strategisch wichtige Bastionen überrannte, standen nur noch knapp 100 000 US-Soldaten im Land. Nur 6 000 von ihnen gehörten zu Kampftruppen.




