Michaela Karl führt in ihrem Werk „Geschichte der Frauenbewegung“ zu den Anfängen dieser Bewegung und erläutert ihren Weg bis in die heutige Zeit. Der Fokus liegt dabei auf Deutschland, Frankreich, England und den USA, also den Ländern, deren Einfluss auf die westliche Frauenbewegung besonders stark war. Die Autorin konstatiert dabei drei große Wellen: Die erste Welle, im Buch übertitelt mit „Frauenrechte“, beschreibt die Anfänge der Frauenbewegung, die in der Französischen Revolution liegen. Parallel zur politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der Zeit forderten Frauen ihre Rechte als konsequente Weiterentwicklung der Menschenrechte ein. Besonders gelungen ist in diesem ersten Teil der Vergleich zwischen den vier oben erwähnten Ländern, deren Emanzipationsbestrebungen durchaus unterschiedlich geprägt waren. So starteten die Suffragetten in England, als sie erfuhren, dass die Wahlrechtsreform von 1832 Frauen nicht mit einschloss, getreu ihrem Motto „Taten, statt Worte“ einen regelrechten Guerillakrieg. Sie sprengten Bahnhöfe und verätzten Golfplätze mit Säure, um zu ihrem Recht zu gelangen. In den USA formierte sich die Frauenbewegung dagegen mit dem Entstehen der Sklavenbefreiung, da man Parallelitäten in der Unterdrückung von Sklaven und Frauen sah. In allen beschriebenen Ländern endet diese Phase um die Zeit des Ersten Weltkriegs und mit einer wichtigen Errungenschaft: dem Wahlrecht.
Eine zweite Phase überschreibt Karl mit „Feminismus“. Sie entsprang den in den USA beginnenden Bürgerrechts- und Studentenbewegungen und dem Engagement gegen den Vietnamkrieg und erfasste schnell auch Westeuropa. Die Phase war geprägt von der Forderung nach Selbstbestimmung, einer eigenen weiblichen Sexualität, einem eigenen Körper und einer psychologischen Befreiung vom Mann. Ab den 70er Jahren wurde die Bewegung zunehmend aktivistisch. Berühmt ist das Stern-Cover „Wir haben abgetrieben!“, das zur Bildikone im Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen wurde. Die Einrichtung unabhängiger Frauenprojekte, wie Frauenhäuser oder eigene Zeitschriften, ist weiteres Kennzeichen dieser Phase und trug zur Schaffung einer weiblichen Gegenkultur bei. War die Bewegung zuvor vor allem von einem Gleichheitsgedanken geprägt, wurde nun eine zunehmende Abgrenzung zwischen den Geschlechtern forciert.
Ab den 90er Jahren zeichnete sich die Frauenbewegung durch eine stärkere Institutionalisierung und Verwissenschaftlichung aus. Der Titel dieses dritten Abschnitts „Gender“ macht es deutlich. Neue Theorien, wie die Idee von „Gender“ als sozialem Geschlecht, das dem biologischen gegenübergestellt wird, werden aufgestellt und das Feld differenziert sich zunehmend. Karl vermeidet es deshalb in diesem Teil des Buches, repräsentative Vertreterinnen oder Strömungen zu beschreiben, sondern fasst die Situation zu Beginn des 21. Jahrhunderts zusammen und erläutert beispielhafte Debatten. Sie geht hier etwa auf postfeministische Aktionsformen wie den „Cyberfeminismus“ ein, dessen Ziel es ist, die Präsenz von Frauen im Web zu stärken.





