… Die Formel von der Überparteilichkeit der Wehrmacht gehörte in der Weimarer Republik zur Reichswehr-Ideologie. Im Einparteien-Führerstaat sollte die Formel das Waffenträger-Monopol absichern, was so umschrieben wurde: Die Wehrmacht müsse im öffentlichen Leben mehr als bisher als alleiniger Waffenträger der Nation in Erscheinung treten, als im Sinn der Regierung Hitler absolut zuverlässig, als planmäßig im nationalsozialistischen Denken erzogen. So wollte man verhindern, dass „uns andere von unserem Platz verdrängen“. Führer und Weltanschauung wurden mit diesem Programm zu den Bezugsgrößen des Erziehungsbetriebs. Dazu gehörten die Rassenlehre des Nationalsozialismus und bald auch seine Feindbilder.
Zu den Nürnberger Rassegesetzen bemerkte der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Erich Raeder, noch in seinen Erinnerungen, es habe keine „dienstliche Basis“ gegeben, wie die „Judenfrage“ zu handhaben sei. Wehrmachtführung und Generalität gingen den bequemen Weg, zeitgemäße Ideen nachzubeten. Nur wenige wagten, gegen die ideologische Grundströmung anzugehen. Zu ihnen gehörte Generalleutnant a. D. Wilhelm Marx. In einem Aufsatz im „Militärwochenblatt“ 1937 konterte er das Gerede von der Dolchstoß-Legende mit der Feststellung, der Erste Weltkrieg sei nicht durch Aktivitäten des internationalen Judentums oder marxistische Umtriebe in der Heimat verloren worden, sondern infolge einer militärischen Niederlage, durch Ausbluten und Hunger.
Die Marine fand wegen des Revolutionstraumas (Matrosenaufstand 1918) besonderen Anlass, das „Dritte Reich“ zu begrüßen. Die Abschaffung des politischen Pluralismus durch die NS-Volksgemeinschaft stieß in der Admiralität wohl auf noch stärkeres Echo als im Heer. Das zeigt sich etwa in den Ausführungen des II. Admirals der Ostseestation, Konteradmiral Karlgeorg Schuster, anlässlich der Vereidigung von Rekruten 1936/37 in Eckernförde und Stralsund. Er stellte Weimar mit seinen „fragwürdigen“ parlamentarischen Abstimmungen die Sinngebung des soldatischen Dienstes durch die Volksgemeinschaft gegenüber und sprach über den neuen Eid der Mannesehre: „Wir Soldaten des III. Reiches leisten den Eid bei Gott in der Überzeugung, dass jedes rassisch also auch seelisch gesunde Volk sein arteigenes Gotterleben hat.“ …
Prof. Dr. Manfred Messerschmidt




