Jetzt aber das: Rund 90 Prozent der Infizierten können auf Heilung hoffen, schrieb die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) Anfang März. Allein seit 2014 sind in Europa sieben neue Wirkstoffe auf den Markt gekommen. Die Fachgesellschaften kommen kaum nach, ihre Behandlungsempfehlungen anzupassen. Die DGVS tut dies gewöhnlich im behäbigen Rhythmus von zwei Jahren. Doch seit Januar 2014 sind bereits vier neue Fassungen vom Druckband gelaufen. Bei “Veränderungen von so großer klinischer Bedeutung” sah sich die Gesellschaft zu einem schnelleren Tempo gezwungen. Die Pressestelle schrieb gar von einer “Revolution”, ein Schlagwort, das Ärzte eigentlich gar nicht mögen.
Endlich Heilung…
Die Medikamente gehören zu einer ganz neuen Klasse von Arzneien, die erstmals die Vermehrung des Virus direkt hemmen und damit die Zerstörung der Leber verhindern. Damit kann die Erkrankung bei einem beachtlichen Teil der Patienten wirklich geheilt werden. Hepatitis könnte damit sogar ausgerottet werden, wie einst die Pocken, schätzen Experten.
Gerne würden wir mehr von solchen Erfolgsgeschichten berichten. Doch nicht einmal diese ist ein astreines Pharma-Wunder. Denn die allerwenigsten Hepatitis-C-Kranken werden etwas von dem Erfolg der Firmen haben. Die meisten Infizierten leben in Afrika. Dort wird es die Medikamente weder heute noch morgen und auch nicht übermorgen geben. Auf billige Nachahmerpräparate, so genannte Generika, die einzig bezahlbare Option für die Kranken in Ländern ohne taugliches Gesundheitssystem, wird sich die Pharmaindustrie nicht einlassen – rechnet sie sich doch Milliardengewinne für ihre Errungenschaften aus, die billige Nachahmungen nur gefährden würden.
…aber nicht für jeden
Aber nicht nur die Leberkranken in armen Ländern haben nichts vom medizinischen Fortschritt. Auch in den USA und in Europa können gar nicht alle Erkrankten mit den neuen Medikamenten behandelt werden. Denn die Kosten für die neuen Arzneien sind exorbitant – eine Therapie kostet 68.000 Euro. Eine Tablette des teuersten Wirkstoffes kostet gar 700 Euro. Dabei liegen die Produktionskosten bei nur 100 Euro. Würden alle Kranken mit diesen Pharmajuwelen behandelt, bräche das Krankenkassensystem zusammen. Alleine hierzulande würden Kosten von 14 Milliarden Euro auflaufen. Ein Erfolg, der unbezahlbar und damit gesellschaftlich untragbar ist. Damit muss man am Ende dann doch Kritik üben: Eine echte Innovation hilft wegen der Profitgier einer ganzen Branche viel zu wenigen.





