Seit dem 10. Dezember 1812 zogen die Reste der geschlagenen napoleonischen Grande Armée durch den preußischen Osten. Halb verhungert, von Frostbeulen entstellt, in zerschlissenen Uniformen, in Decken gehüllt. Ein halbes Jahr zuvor hatten sie – Franzosen und Deutsche aus fast allen deutschen Ländern sowie Soldaten der unterschiedlichsten napoleonischen Vasallenstaaten – in makellosen französischen Uniformen mit einer Streitmacht von mindestens 449 000 Soldaten (seriöse Schätzungen sprechen von bis zu 600 000 Soldaten) und 1146 Kanonen die Memel überschritten und den Angriff auf das Zarenreich eröffnet. Auf die russische Kälte war man allerdings nicht vorbereitet, denn es sollte ein kurzer Feldzug werden, mit dem Napoleon seinen letzten Gegner auf dem Kontinent bezwingen wollte. Am Ende waren nur rund 40 000 Invasoren der Vernichtung in den Kämpfen und russischen Sümpfen, dem Hunger, dem eisigen Winter und tödlichen Krankheiten entkommen.
Jedermann konnte sehen, dass Napoleon in Russland eine schwere Niederlage erlitten hatte. Am 21. Dezember musste er – zurück in Paris – auch offiziell eingestehen, dass der Feldzug nach Osten gescheitert war. Längst vor seiner geschwächten Truppe hatte er sich per Schlitten und dann mit Kutsche nach Paris gerettet, um in aller Eile und mit großer Energie eine neue Armee auszuheben. Er wollte sich nicht geschlagen geben, denn das hätte das Ende seines Empire bedeutet, das allein durch militärische und politische Erfolge legitimiert war. Der russische Zar Alexander I. wollte Napoleon Bonaparte nun endgültig vernichten und die Reste seiner Grande Armée bis nach Deutschland verfolgen. Doch allein der Entschluss, mit seinen Truppen über die Westgrenze des russischen Imperiums hinaus zu marschieren und sich in deutsche Angelegenheiten einzumischen, war zu Hause umstritten, denn schließlich waren die Menschenverluste, die der Feldzug von 1812 gekostet hatte, auch in Russland groß. Zudem zeigten sich die anderen europäischen Mächte, vor allem Österreich und England, von dem Gedanken, dass russische Truppen neue Einflussbereiche in Mitteleuropa erobern könnten, alles andere als angetan. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 06/2013.
Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer




