Spannend und faszinierend erzählt Erika Bestenreiner das Schicksal der Coburger Frauen, die zum Machtwerk ihrer männlichen Vormunde wurden. Anhand sieben skizzierter Lebensgeschichten Coburger Töchter wird deutlich, wie ein relativ einflussloses fränkisches Geschlecht durch geschickte Vermählung der Töchter zu einem der mächtigsten Adelshäuser mit familiären Verbindungen zu allen europäischen Herrschern aufstieg.
Die berühmteste Tochter aus dem Haus Sachsen-Coburg ist Juliane von Sachsen-Coburg-Saalfeld, die mit dem russischen Großherzog Konstantin, Enkel von Katharina der Großen, vermählt wurde. Das tragische Beispiel Julianes, die seit ihrer Konvertierung zum russisch-orthodoxen Glauben Anna Feodorowna genannt wurde, ist exemplarisch dafür, dass die arrangierten Ehen zwar zu einer Machterweiterung des Hauses führten, jedoch nicht immer Glück für die Vermählten brachten. Sie litt unter seinem Jähzorn, seiner Brutalität und ständigen Demütigungen. Doch für ihr Elternhaus war diese Verbindung ein Segen, nicht nur durch den Gewinn von Glanz und Ansehen, sondern auch durch die 160 000 Goldrubel, die Katharina II. an das hoch verschuldete Herzogtum zahlte. Eine Scheidung kam zunächst nicht in Frage, um dem Prestige der Familie Romanow nicht zu schaden. Erst Jahre später, hauptsächlich aus Erbfolgefragen, gab die Kaiserinwitwe ihr Einverständnis zur Scheidung.
Neben der Geschichte Viktorias von Sachsen-Coburg, der Mutter der späteren Königin Victoria von England, werden die Biographien von Maria Antonia Gabriele von Kohary, Prinzessin Charlotte von Belgien, der Schwestern Louise und Stephanie von Belgien sowie von der Prinzessin Maria von Großbritannien skizziert. Nicht immer war das Leben der Frauen von Glück und Zufriedenheit gezeichnet, oft endeten sie tragisch, gefangen in standesgemäßen Ehen, die Autorität auf der einen Seite, aber auch Einsamkeit auf der anderen Seite bedeuteten.
Bestenreiner gibt ein verständliches Bild der oft verworrenen Familienverhältnisse und Verbindungen, die sich um die alte Tradition der arrangierten Ehen spinnen. Deutlich wird, dass die Töchter zu Machtwerkzeugen ihrer Väter wurden und ihr persönliches Glück dabei oft keine Rolle spielte. Spannend ist zu sehen, wie ein unbedeutendes Herzogshaus auf diesem Weg einen rasanten Aufstieg erlebte und zur weitestverzweigten Adelsfamilie in Europa wird.
Rezension: Kanne, Marie-Christine von




