Unter den bekanntesten Persönlichkeiten, die Eingang in Försters Buch fanden, sind zum Beispiel „die letzte große Volkssängerin“ Claire Waldoff, die Lyrikerin Mascha Kaléko, die 1938 vor den Nationalsozialisten ins Exil floh, und die Schauspielerin und Kabarettistin Erika Mann. Weniger berühmt, doch ebenso interessant ist die aus dem Rheinland stammende Marita Gründgens, die als Sängerin, Textautorin und Pianistin tätig war, zeitlebens jedoch im Schatten ihres Bruders Gustaf stand. Auch die Karriere Henry Loves verdient nähere Aufmerksamkeit: Die Wiener Musikerin, die eigentlich Hilda Löwi hieß, wurde von ihrem Verlag dazu überredet, ihre Kompositionen unter männlichem Pseudonym zu veröffentlichen, um „Vorurteilen“ zu entgehen.
Der Titel des Buchs „Die Frau im Dunkeln“ ist der Originaltitel einer 1920 von Eddy Beuth verfassten Operette. Auch Beuth, deren Mädchenname Marie Cohn war, legte sich ein „androgyn klingendes Pseudonym“ zu, um leichter Anerkennung in der Musik- und Filmszene der damaligen Zeit zu finden. Historische Verweise und Hintergründe wie diese lassen sich einige entdecken, vor allem auch im Werkverzeichnis und im Anhang des Buches. Hier bespricht Förster weitere Künstlerpersönlichkeiten, Spielstätten und Zeitschriften des ausgehenden 19. und des frühen 20. Jahrhunderts.
Förster deutet zwar auch die schwierigen Arbeits- und Lebensbedingungen für Künstler zu Zeiten des Nationalsozialismus an, kann dieses Thema jedoch, aufgrund ihrer selbstgewählten zeitlichen Begrenzung auf das frühe 20. Jahrhundert, nicht weiter ausführen. Der Untertitel – „Eine Kulturgeschichte“ – ist in diesem Zusammenhang irreführend. Trotz einer Einführung, die sie dem historischen Kontext widmet, präsentiert Förster keine zusammenhängende Geschichte des von Frauen geprägten Kabaretts, sondern vielmehr eine handbuchartige Sammlung verschiedener Einzelporträts. Mit ihrem Buch bietet Förster so zwar einen interessanten Einstieg in den Themenkomplex, geht aber den angerissenen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen bedauerlicherweise nicht weiter nach.
Rezension: Lea Maria Ferguson





