Sie war als Bewohnerin eines deutschen Seniorenheims hochbetagt verstorben, ein Koffer voller Dokumente, Briefe, Fotos, alter Ausweise, Postkarten war übrig geblieben. Seifert machte sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Frau. Sie findet heraus, dass es sich dabei um die 1913 geborene Ady handelt. Schon im besetzten Antwerpen hatte die junge Belgierin für eine deutsche Firma gearbeitet. Nach der Verlegung des Front-Reparaturbetriebs von der Daimler-Benz AG von Antwerpen nach Deutschland war sie als Zwangsarbeiterin – wenn auch bevorzugt behandelt, da sie der „arischen Rasse“ zugeordnet wurde – bis nach Schlesien gekommen.
Seiferts Buch widmet sich der Beziehung Adys zu dem Deutschen Jupp Kocyan, den sie kurz nach Ende des Krieges heiratete. Die Autorin rekonstruiert aus den gefundenen Quellen und mithilfe Adys ehemaliger Freundin Renée die turbulente Odyssee des Paares. Spekulationen über Ängste und Leid mischen sich mit historischen Fakten wie der Besetzung Belgiens oder der Lage der weiblichen Fremdarbeiter in Schlesien.
Zahlreiche Abdrucke von Fotografien und Dokumenten, darunter Postkarten und Ausweise aus den verschiedenen Werken, geben einen Eindruck von der Frau, die in den Kriegswirren überleben und ihre große Liebe finden konnte. Die Biographie lässt sich eher als Roman denn als historische Arbeit lesen, verzichtet die Journalistin doch auf Angabe von Quellen und mutmaßt häufig über das genaue Geschehen, was den erzählerischen Stil des Buches unterstreicht.
Rezension: Christina Reich




