von Rolf Heßbrügge
Frank Dittmann schmunzelt über die so oft gestellte Frage nach dem wahren Erfinder. „Das elektrische Licht hat viele Väter“, sagt er, „aber egal wie man die Geschichte erzählt, irgendwann landet man dann doch bei Edison.“ Dittmann weiß, wovon er spricht, denn er ist Technikhistoriker und Kurator im Deutschen Museum in München, wo er unter anderem die Fachbereiche Energie- und Starkstromtechnik verantwortet. „Thomas Alva Edison hat das elektrische Glühlicht nicht unbedingt erfunden“, erklärt der Experte, „aber er hat alles zusammengebracht, was man an technischem Know-how und an Infrastruktur dafür brauchte. Zudem hat er viele Komponenten so weiterentwickelt, dass elektrische Beleuchtungssysteme massenmarkttauglich wurden.“
Von der Gaslampe zur Glühlampe
Der Vorläufer der elektrischen Glühlampe war die Gaslampe. Angeschlossen ans zentrale Gasnetz zur Heizungs- und Warmwasserversorgung, verbrannte sie in einem hitzebeständigen Glaskörper eingeleitetes Gas. Der Glaskörper brach das so freigesetzte Licht und streute es in den Raum. Ganz ähnlich sollte es später die elektrische Glühbirne tun – mit dem Lichtschein eines durch Stromzufuhr zur Weißglut gebrachten dünnen Fadens. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.
Erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts war Elektrizität, wie man sie beispielsweise von Blitzeinschlägen kannte, für Menschen beherrschbar – dank der Voltaʼschen Säule, einer Frühform der Batterie. Nachdem Werner von Siemens 1866 die Dynamo-Maschine erfunden hatte und Elektrizität mithilfe von Wasserturbinen oder Dampfmaschinen auf wirtschaftliche Art erzeugt werden konnte, sahen Visionäre wie Edison einen grundlegenden Technologiewandel heraufziehen: weg vom Gas, hin zu einer Elektrizität, die noch viel mehr Möglichkeiten bot als das Gas.
Speziell das elektrische Licht war nach Edisons Auffassung die Schlüsseltechnologie, um die damaligen Hausbesitzer zum aufwendigen Verlegen von Kabeln und dem Einbau der nötigen Elektroinstallation zu bewegen. Denn die Vorteile gegenüber Gaslampen waren immens: weitgehende Geruchs- und Flacker-Freiheit sowie mehr Flexibilität bei den Standorten der Lampen, die man über Kabel einfach mit dem nächsten Stromanschluss verbinden konnte. Zudem galten elektrische Glühlampen als sicherer. Man hatte schlechte Erfahrungen gemacht, unter anderem mit Theaterbränden. Vor allem jener im Jahr 1881 in Wien, als ein gasbetriebener Leuchter in Brand geraten war, entfaltete eine starke Signalwirkung.
Elektrisches Licht auf der Expo 1878
Seit den 1870er-Jahren konnte man elektrisches Licht erzeugen. Als 1878 das Gelände der Expo in Paris mit strombetriebenen Lampen beleuchtet wurde, war dies eine Weltsensation. Die verwendete Lichtquelle auf Basis heller Kohlebögen hatte 1876 der russische Ingenieur Pawel Jablotschkow erfunden. Allerdings wies sie nur eine Betriebsdauer von rund 1,5 Stunden auf und spendete derart gleißendes Licht, dass sie ausschließlich für den Außengebrauch nutzbar war. „Edison und viele andere Erfinder sahen dennoch das Potenzial auch für private Haushalte“, erklärt Dittmann. „Sie sprachen von einer Teilung des Lichts – und wollten gemütlichere Lampen für kleinere Räume herstellen.“





