Die europäische Umweltgesetzgebung spornte die Entwickler von Dieselmotoren zu Höchstleistungen an. In einem atemberaubenden Wettlauf passten sie die Technik an die seit dem 1. Juli 1992 stetig schärfer werdenden Abgasnormen an. Die am 1. Oktober dieses Jahres für Lkw in Kraft getretene Norm Euro IV reduziert die zulässigen Emissionen von Kohlenwasserstoffen, Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen gegenüber Euro III um 30, von Rußpartikeln um 80 Prozent. Verglichen mit den Emissionen, die nach Euro I zugelassen waren, sind die Obergrenzen um 86 beziehungsweise 95 Prozent gesenkt worden. Ähnlich drastisch reduzierten sich mit der seit 2005 geltenden Pkw-Euro IV die Emissionen bei Dieselautos. Die Einhaltung dieser Normen schafften die Entwickler durch raffiniert gestaltete Brennräume, präzise Terminierung der Einspritzung, hohe Drücke, Katalysatoren und Partikelfilter.
Die nächste Verschärfung kündigt sich an. Voraussichtlich ab 2010 dürfen neu zugelassene Pkw praktisch keinerlei Rußpartikel mehr emittieren. Wann diese Norm für Lkw in Kraft tritt, ist noch offen. Wie sie sich einhalten lässt, steht für die Motorenentwickler dagegen schon fest: Mineralischer Diesel wird dann mit synthetischem Treibstoff verschnitten zum so genannten Syn Fuel, oder, mit solchem aus Biomasse, zum Sun Fuel. In beiden Treibstoffen gibt es weder Teer noch Aromaten, die wesentlich zur Rußbildung beitragen. Außerdem enthalten sie nicht einmal Spuren von Schwefel, der nachgeschaltete Stickoxidkatalysatoren zerstören könnte. Sun Fuel emittiert zudem nur wenig mehr Kohlendioxid als das, was die Pflanzen zuvor der Luft entnommen haben. Schon eine fünfprozentige Beimischung könnte reichen, die nächste Verschärfung der Abgasnormen aufzufangen, vermuten Motoren- und Treibstoffexperten.
Mineralischer Diesel mit einem Schuss Syn Fuel gibt es an Shell-Tankstellen schon heute. Der synthetische Treibstoff (Markenname: V-Power-Diesel) wird in einer Shell-Anlage in Malaysia in relativ kleinen Mengen aus Erdgas produziert.





