Vor diesen Horizont stellt der Historiker und Journalist Lothar Müller seiner Darstellung der „Epoche des Papiers“ und betont, dass dies nicht erst mit der Erfindung der Druckkunst, der „Gutenberg-Ära“, seine große kulturelle Bedeutung erhielt. Er zeichnet den Siegeszug des Papiers von China über Arabien bis nach Europa und in die Neue Welt nach und unterscheidet drei Betrachtungsweisen: Papier als Produkt der Technologie, als dynamisches Medium des Speicherns und Weiterleitens und als Träger von Selbstreflexion. Dabei kommt nicht nur das Buch oder die Zeitung ins Blickfeld, sondern auch der Brief, die Banknote, die Akte oder das Formular, aber auch das unbedruckte Papier.
Müller verbindet in seinem glänzend geschriebenen, sehr lesenswerten Buch literarische mit historischen Betrachtungen, etwa wenn er den Aufstieg des Papiers als bevorzugter Beschreibstoff (gegenüber dem Pergament) am mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hof schildert.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger




