Der Erste Hauptsatz betrifft die Energie und besagt, dass diese Größe konstant und unzerstörbar bleibt, während sie permanent umgewandelt werden kann. Bei genaueren Untersuchungen zum Wandel der Energie war aufgefallen, dass sie nicht vollständig in nützliche Arbeit überführt werden kann, sondern nur ein Teil von ihr dafür frei wird. Viel Energie geht bei der Tätigkeit von Maschinen in Form von Abwärme verloren. Um diese Tatsache genauer bestimmen und verstehen zu können, führte Rudolf Clausius den Begriff der Entropie ein. Damit konnte er die Energiemenge bestimmen, die bei der Verrichtung von Arbeit nutzbringend umgesetzt wird. Er musste nur ihre Gesamtmenge um die Entropie verringern.
Bei weiterem Nachdenken über die in der Natur und den Fabriken ablaufenden Prozesse bemerkte Clausius, dass es die von ihm auch als „Verwandlungswert“ bezeichnete Entropie erlaubte, ihre Eigenschaften in einem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu erfassen, der einfach klingt: Die Entropie der Welt strebt einem Maximum zu. Heute wird Entropie gerne als Maß für die Unordnung eingesetzt, die sowohl in Kinderzimmern als auch im Universum herrscht – wobei es stets rätselhaft blieb, wie das Leben zum Gegenteil führen kann, nämlich zu immer höheren Ordnungen, wie sie im Laufe der Evolution auftreten und den Menschen gefallen.
Die Rolle der Entropie stellt die Wissenschaft also vor Probleme. Und sie sind nicht geringer geworden, seit französische Neurowissenschaftler zu erkunden versuchen, wie das Gehirn mit der Entropie umgeht oder fertig wird. Wie in jüngster Zeit vermeldet wurde, produziert das menschliche Denkorgan mehr Entropie, wenn sein Träger oder seine Besitzerin wach ist, und weniger im Schlaf. Es sind elektrische Signale im zentralen Nervengewebe, die Entropie produzieren, wenn sie Informationen verarbeiten. Um diesen Vorgang im Wach- und Schlafzustand zu vergleichen, setzten die Neurologen ein Modell ein, mit dem die Routen verschiedener Signale im Gehirn und die dazugehörigen Prozesse analysiert werden können. Mit seiner Hilfe kann man die Entropie mit dem Bewusstseinszustand korrelieren, und es zeigte sich, dass die „Direktorin“ im Gehirn an Größe einbüßte, wenn sich die untersuchte Person im Tiefschlaf befand. Die Studien wurden mit dem langfristigen Ziel durchgeführt, ein Maß für das Bewusstsein zu finden, um möglicherweise Menschen zu helfen, die in ein Koma gefallen sind. Die Entropie kann aber nur wirken, wenn mehr Menschen sich bemühen, diese Direktorin ihres Daseins kennenzulernen. Doch ich glaube nicht, dass dies allzu bald der Fall sein wird. Sie kommen ja kaum mit dem Buchhalter zurecht.





