Beim Betreten des Mietshauses fühlt man sich wie ein Eindringling in einer fremden Wohnung, deren Eigentümer gerade abwesend ist. Leute flanieren arglos durch scheinbar private Räume, sehen sich neugierig um, betrachten Bilder und Gegenstände. Letztlich liefern Fototapeten, sorgsam plazierte Exponate, mit allerlei Preziosen bestückte Vitrinen, Beschriftungstafeln und dergleichen mehr die Gewissheit, dass man sich in einem Museum befindet.
Sigmund Freuds Wohnung in der Wiener Berggasse in eine Gedenk- und Forschungsstätte umzuwidmen lag nahe. Hier hat der weltberühmte Begründer der Psychoanalyse, Neurologe, Kulturtheoretiker, Religionskritiker und Schriftsteller 47 Jahre lang gelebt, Patienten behandelt, geforscht und den Großteil seiner wissenschaftlichen Arbeiten geschrieben. Besuchern stehen das ehemalige Behandlungszimmer, das Wartezimmer, Freuds Arbeits- und Schreibzimmer sowie Privaträume offen.
Nur das Wartezimmer ist allerdings originalgetreu erhalten. Die nahezu authentische Atmosphäre erzeugt die gespenstische Vorstellung, der Seelendoktor öffne jeden Moment die schalldicht gepolsterte Tür, um einen Patienten auf die Couch zu bitten. Fotos zeigen, wie Freud stets seitlich am Kopfende saß, um eine Beeinflussung seiner Diagnose durch Blickkontakte oder Gesten zu vermeiden. Auch ein ganz profaner Grund für diesen besonderen Sitzplatz ist überliefert, im Freundeskreis soll Freud bemerkt haben: „Ich würde es nicht ertragen, acht Stunden am Tag angestarrt zu werden.“ Verständlich, bei dem Andrang neurotischer Damen der feinen Wiener Gesellschaft, den er zu bewältigen hatte. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 02/2014.
Rudolf Gruber





