Bei einer solchen Vielfalt ist es ein Gewinn, daß das Werk klar gegliedert ist. Die chronologische Einteilung reicht von der Christianisierung in der Spätantike bis ins 6. Jahrhundert, der geographische Rahmen umfaßt die Christenheit im Westen, im Byzantinischen Reich, in Ost- und Südosteuropa, dazu kommen Kirchen im Vorderen Orient, in Afrika und in Asien. Den Abschluß bildet „Jerusalem – Mittelpunkt der christlichen Welt“.
Vielfältig sind auch die Themen: Missionsmethoden und Synkretismus, Spannungen und Rivalitäten (Kreuzzüge), Auseinandersetzungen unter Christen sowie Reformbewegungen innerhalb einzelner Kirchen, das Neben- und Gegeneinander von Juden, Christen, Buddhisten, Hindus und Muslimen, Politik und Bildungswesen sowie Kunst und Kultur werden berücksichtigt. Zitate vertiefen, Abbildungen veranschaulichen die Aussagen. Leider ist auch auf Unzulänglichkeiten hinzuweisen. So fehlen die bei einem solchen Thema unentbehrlichen Karten. Man stutzt, wenn Taufe, Kommunion und Tod „Übergangsriten“ genannt werden. Aussagen zu den Apokryphen und zum Reichskirchensystem sind ungenau. Unerklärt bleibt, was ein „reflektives Gebet“ ist. Gab es „die katholische Einsegnung der Eucharistie“, den „metropolitanen Erzbischof?“, die „Mongolenhorde“?
In der zuweilen holprig anmutenden Übersetzung schlägt die Sprache des Ori?ginals durch: doktrinäre Kontroversen, eloquent, literat, illiterat, rektangulär, Sanktuarien. Einmal fehlen Satzteile, ein andermal finden sie sich doppelt. Zu empfehlen ist eine gründliche Überarbeitung, vielleicht auch der Originalausgabe.
Rezension: Ohler, Norbert




