Auch deutsche Historiker tragen ihren Teil bei. Zeitgleich zu der einbändigen Studie des Münchner Amerikanisten Michael Hochgeschwender erschien der zweite Teil einer zweibändigen Darstellung zur amerikanischen Revolution des Göttinger Historikers Hermann Wellenreuther. Während Wellenreuther die Ereignisse in Nordamerika in einen atlantischen Kontext stellt und aus intensivem Quellenstudium neue Forschungsergebnisse schöpft, beschreitet Hochgeschwender einen anderen, jedoch nicht weniger steinigen Weg.
Seine chronologisch angelegte, strikt auf den nordamerikanischen Raum konzentrierte Studie basiert primär auf Arbeiten deutscher und US-amerikanischer Autoren. Angesichts des eingeschränkten Umfangs von gut 500 Textseiten (im Vergleich zu Wellenreuthers Werk mit insgesamt 1230 Seiten) musste Hochgeschwender eine strenge Auswahl treffen, die verständlicher- und unvermeidbarerweise Aspekte ausklammert. Kompakt, „dicht“ und launig beschreibt er zunächst den Forschungsdiskurs um den Begriff „Revolution“ und in Anlehnung an die traditionelle Periodisierung die Etappen des Konflikts.
Genannt werden die Situation nach 1763, der „French and Indian War“, den er deutschsprachigen Gewohnheiten gemäß als „Siebenjährigen Krieg“ tituliert. Es folgen die weiteren Geschehnisse, deren von Menschen verursachte Dramatik sprachlich als Naturphänomene verpackt wird: „Der Sturm zieht auf“ und „Der Orkan: Unabhängigkeit und Weltkrieg“ lauten Kapitelüberschriften. Nach dieser Darstellung der Ereignisgeschichte und einer lakonisch gehaltenen Beschäftigung mit dem Schlüsseltext des Untersuchungsobjekts, der Unabhängigkeitserklärung vom Sommer 1776, ändert sich die Perspektive, und die Akteure selbst rücken in den Fokus.
Gerade bei diesen Passagen merkt man den Zwang zur Auslassung und den Mut zur Lücke. Speziell zu den Themenfeldern Wirtschaft, Beteiligung von Frauen und Konflikten innerhalb der 13 Kolonien/Staaten, in denen die „Committees of Inspection and Observation“ ein rigides Regiment etablierten, existiert eine Fülle neuer Analysen, auf deren Einbindung der Autor verzichten musste. Glanzlichter zeigt das fünfte Kapitel, in dem Hochgeschwender Ereignisse und Vorstellungen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts geschickt mit aktuellen Haltungen in den USA verzahnt, um die „Tragik und Größe einer unvollendeten Nation“ verständlich zu machen.
Zwangsläufig können manche faszinierenden Facetten nur angedeutet werden bzw. finden sich manche Verkürzungen, etwa zum Verlauf der Herrnhuter Mission, zum internationalen Rüstungshandel, zur Religiosität eines Benjamin Franklin oder zur Kontraktarbeit (das heißt, dass Auswanderer als sogenannte „indentured servants“ nach Amerika kommen konnten, wobei ihre Überfahrt letztlich vom späteren Dienstherrn bezahlt wurde). Dies mindert jedoch in keiner Weise das Lesevergnügen dieser soliden Einführung in die Ereignis- und Kulturgeschichte der amerikanischen Revolution als US-amerikanisches Ereignis.




