Die Macher der Maschinen mit KI mussten in den 1970er-Jahren noch die Frage beantworten, ob ihre Apparate eines Tages den Schachweltmeister schlagen würden. Das ist inzwischen überzeugend gelungen und hat dazu geführt, dass viele Menschen der AI mehr Intelligenz als sich selbst zutrauen. Allerdings warnen Philosophen, dass intelligente Entscheidungen etwas mit der Zukunft zu tun haben, in der sie sich positiv auswirken sollen, und dass Maschinen nicht wissen können, dass es eine Zeit gibt, die erst noch kommt. Auch hat sich die Vision nicht bestätigt, dass Computer, die einen Schachweltmeister besiegen, mehr als das Brettspiel mit den hübschen Figuren beherrschen und zum Beispiel Freude über ihren Triumph empfinden. Mit anderen Worten: Die Ansichten und Erwartungen gehen bezüglich der AI ziemlich auseinander.
Wobei ich Respekt vor den ungeheuren Rechenleistungen habe, die mit unglaublicher Geschwindigkeit ausgeführt werden – Stichwort Suchfunktion. Deshalb konnte ich zunächst nicht glauben, was die britische Zeitschrift New Scientist am 3. Juli 2021 als Überschrift meldete: „AIs donʼt understand simple physics“. Künstliche Intelligenz kapiert die einfachste Physik nicht. Der Beitrag beginnt mit den Worten: „Künstliche Intelligenz ringt um ein Verständnis, wie Objekte miteinander wechselwirken, wenn sie rollen, zusammenstoßen, fallen oder drapiert sind, und sie scheitert bei einer Reihe von Prüfungen, die herausfinden sollen, wie intelligent sie wirklich ist.“
Dem zu testenden Computer und seiner Software wurden zum Beispiel Bälle gezeigt, die einen Abhang hinunterrollten, oder Dominosteine auf einem Haufen kurz vor dem Kollaps – und der Rechenkünstler sollte prognostizieren, was als nächstes geschieht. Wie sich herausstellte, hatte die Maschine keinerlei Probleme, drapierte Steine und Bälle zu erkennen und zu benennen. Aber wenn sie gebeten wurde, nach einem kurzen Video zu sagen, wie eine Szene weiterläuft, nachdem das Objekt aus dem Blickfeld verschwunden ist, geriet sie durcheinander. Dies führte zu der Vermutung, dass Objekte für eine Künstliche Intelligenz aufhören zu existieren, wenn sie nicht mehr zu sehen sind. Ich kann es nicht glauben.
Es geht um die Permanenz von Gegenständen – darüber hatte der Psychologe Jean Piaget geforscht, als er in den 1970er-Jahren den „Aufbau der Wirklichkeit beim Kinde“ erkundete und feststellte: Menschen müssen lernen, dass eine Kugel noch existiert, auch wenn sie hinter einer Wand verschwindet. Computer müssen denselben Weg wie wir gehen. Gut zu wissen.





