Die gefühlte Temperatur lässt sich sogar näherungsweise berechnen, und zwar mit Hilfe des sogenannten Windchill-Faktors. Demnach verursacht bei einer gemessenen Temperatur von minus 10 Grad Celsius schon eine Luftbewegung von 35 Stundenkilometern – das ist gerade einmal eine frische Brise – ein Gefühl, als wäre es über 10 Grad kälter. Die Auswirkungen auf den Körper sind also dieselben wie bei eisigen 20 Minusgraden, das heißt, man kann durchaus Erfrierungen davontragen.
Wer daher bei winterlicher Kälte ins Freie geht, sollte sich vor allem Kleidung anziehen, die den Wind abhält, der Schutz gegen niedrige Temperaturen ist von zweitrangiger Bedeutung. Ja, oft friert man sogar in dicker Kleidung stärker als in dünner. Denn wenn die Textilien so voluminös sind, dass man darin bei jeder Bewegung schwitzt, werden sie zwangsläufig von innen feucht, und feuchter Stoff leitet Wärme weit besser nach außen als trockener. Folge: Es wird einem kalt. Hinzu kommt die Verdunstungskälte, die auf der schweißnassen Haut entsteht und auch nicht gerade dazu beiträgt, sich behaglich zu fühlen. Vor allem, wenn man sich in dicker Kleidung nach einer körperlichen Anstrengung auf einmal nicht mehr bewegt, bekommt man rasch eine Gänsehaut und beginnt, heftig zu zittern.
Jäger kennen das Problem. Wenn sie im Winter durch tiefen Neuschnee und vielleicht auch noch bergauf heftig keuchend zu einem Hochsitz stapfen und dabei in ihrer Lodenkluft aus allen Poren dampfen, halten sie es nachher still sitzend nicht lange aus. Es dauert keine halbe Stunde, und das heftige Schwitzen schlägt in nicht minder heftiges Frieren um. Weitaus besser beraten ist daher der Waidmann, der sich dazu zwingt, auf dem Weg zum Ansitz bewusst langsam zu gehen, oder – noch besser – erst in luftiger Höhe in dicke, wärmende Klamotten zu schlüpfen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass man sich bei klirrender Kälte möglichst dünn anziehen soll. Vielmehr gilt es, bei der Auswahl der Kleidung die geplante Aktivität zu berücksichtigen. Wer zum Beispiel auf einem zugefrorenen See Schlittschuh laufen möchte, ist mit einer Kleidung bestens bedient, in der er still stehend sofort anfangen würde zu frieren. Er darf nur nicht vergessen, nach dem Sport sofort ins Warme zu gehen oder sich etwas Dickeres überzuziehen.





