Hunde sind dem Menschen im Laufe ihrer Domestikation immer ähnlicher geworden: Inzwischen verstehen die Vierbeiner problemlos unsere Gesten und nach etwas Training sogar menschliche Worte. Tatsächlich verarbeiten sie Sprache sogar in den gleichen Hirnarealen wie wir. Außerdem besitzen sie eine Art episodisches Gedächtnis, das dem unsrigen gleicht. Doch im Laufe ihrer langen Kameradschaft haben Mensch und Hund nicht nur viel miteinander kommuniziert und interagiert. Sie haben auch oft ihre Ernährungsweise und ihre Lebensgewohnheiten geteilt: Achten Herrchen und Frauchen auf eine gesunde Ernährung, spiegelt sich dies in der Auswahl des Hundefutters wider. Sind sie aktiv und viel unterwegs, ist auch der Hund immer in Bewegung. Bleiben sie dagegen lieber auf dem Sofa, wird der Vierbeiner wahrscheinlich ebenfalls zum “Couch-Potato”.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass der gemeinsame Alltag mit dem Menschen bei Hunden auch körperliche Spuren hinterlässt. So ähnelt beispielsweise die Zusammensetzung ihrer Darmflora auffällig der unsrigen, wie Untersuchungen belegen. Zudem leiden die Vierbeiner – wie ihre Herrchen und Frauchen – immer häufiger an krankhaftem Übergewicht. In einer aktuellen Studie aus den USA waren immerhin 34 Prozent der untersuchten Hunde dick oder sogar fettleibig. Wissenschaftler um Ákos Pogány von der Eötvös Loránd Universität in Budapest wollten wissen, ob sich das Dicksein auch im Verhalten der Tiere widerspiegelt. Kurzum: Interagieren übergewichtige Hunde anders mit ihrer menschlichen Bezugsperson und reagieren sie anders auf Belohnungen in Form von Futter?
Gewichtiger Verhaltensunterschied
Dies testeten die Forscher mit 91 Hunden unterschiedlicher Rassen – darunter Golden Retriever, Beagle und Border Collie. Alle Vierbeiner nahmen an jeweils zwei Experimenten teil. Beim ersten ging es darum, in Anwesenheit ihres Besitzers der Anweisung einer zweiten Person zu folgen, die auf eine von zwei Schalen zeigten. Dabei war die nicht angezeigte Schale entweder leer oder sie enthielt eine ausgesprochene Leckerei. Wie gut würden die Hunde hören? Es zeigte sich: Übergewichtige Tiere folgten dem Fingerzeig seltener, wenn die andere Schale eine essbare Belohnung enthielt. Normalgewichtige Vierbeiner bewiesen beim Befolgen der menschlichen Befehle dagegen mehr Ausdauer.
Auch beim zweiten Experiment offenbarte sich ein vom körperlichen Zustand der Tiere abhängiger Unterschied: Für diesen Test lernten die Hunde, eine Seite eines Raumes mit einem positiven Erlebnis zu assoziieren, die andere dagegen mit einem negativen – je nach Seite enthielt eine dort abgestellte Schale entweder immer Futter oder sie war stets leer. Beim eigentlichen Experiment wurde eine Schale mittig, an einer uneindeutigen Position abgestellt. Die Hunde konnten demnach nicht sicher sein, welcher Inhalt sie erwarten würde. Wie würden sie reagieren, wenn sie zu dieser Schale laufen sollten? Das Ergebnis: Anders als normalgewichtige Hunde zögerten dicke in dieser Situation merklich. Sie liefen erst nach einigen Sekunden oder sogar gar nicht los. Offenbar wollten sie sich ungerne anstrengen, wenn ihnen eine nahrhafte Belohnung nicht sicher war und gingen eher pessimistisch an die Sache heran.





