von FRANK FRICK
Hautärzte sind bei der Telemedizin führend: Laut der Analyse des US-amerikanischen Marktforschungsinstituts Goldstein Market Intelligence aus dem letzten Jahr entfallen weltweit rund 30 Prozent aller telemedizinischen Anwendungen auf die Dermatologie. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) sieht sich auch in anderer Hinsicht an der Spitze. Er hat im März dieses Jahres zusammen mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft Qualitätsstandards zur telemedizinischen Versorgung von Patienten formuliert – erstmals für ein medizinisches Fachgebiet. Die wissenschaftliche Grundlage für die Leitlinie ist die internationale Literatur zur Teledermatologie, die inzwischen mehrere Hundert Originalarbeiten umfasst.
Die Vorreiterrolle der Hautärzte bei der Telemedizin überrascht nicht. „Die Dermatologie ist das visuellste Fach der klinischen Fächer“, sagt Christian Greis, Oberarzt im Universitätsspital Zürich. Dermatologen stellen ihre Diagnose üblicherweise, indem sie sich die veränderte oder erkrankte Haut ansehen – sie müssen nichts abhören oder ertasten wie andere Fachärzte oder Allgemeinmediziner. Dieser visuelle Eindruck lässt sich per Smartphone-Foto einfach elektronisch übermitteln. Allerdings reicht das nicht bei allen Hautauffälligkeiten aus: Zur Unterscheidung von gutartigen Muttermalen und Hautkrebs benötigen Dermatologen spezielle Auflichtmikroskope, sogenannte Dermatoskope, die bis zu mehrere Hundert Euro kosten. Mit dem Smartphone sind entsprechende Bilder nur zu erhalten, wenn man es mit einem Dermatoskop koppelt.
Gegen den Hautärzte-Mangel
Hautarzt Christian Greis hat die Besonderheit seines Fachs zur Grundlage seines Geschäftsmodells gemacht und den Onlinedienst Derma2go gegründet. Wer eine irritierende Hautveränderung bei sich beobachtet, kann Fotos davon auf der Webseite des Dienstes hochladen und dazu einen Fragebogen ausfüllen. „Auf Grundlage dieser Informationen können unsere Dermatologen rund 85 Prozent aller Hautprobleme diagnostizieren und entsprechende Behandlungsvorschläge machen“, sagt Greis. Der Patient erhält die schriftliche Diagnose innerhalb von 48 Stunden. Wenn er sein Anliegen als dringend einstuft und einen Aufpreis bezahlt, muss er nur 24 Stunden auf die Rückmeldung warten. Außerdem empfiehlt der Derma2go-Hautarzt bei Bedarf Medikamente, die der Patient direkt bei einer kooperierenden Versandapotheke bestellen kann. Alternativ schickt der Arzt per Post ein entsprechendes Rezept. Der Patient bezahlt den Dienst wie beim Online-shoppen beispielsweise mit seiner Kreditkarte. Privatversicherte in Deutschland bekommen die telemedizinische Konsultation normalerweise erstattet, gesetzlich Versicherte nicht.
Derma2go steht mit seinem Angebot nicht allein da: Es gibt weitere vergleichbare Dienste, bei der Hautärzte zeitlich verzögert Rückmeldung zu Bildern geben. Außerdem existieren Internetplattformen, über die man einen Termin für eine Videosprechstunde mit dem Arzt buchen kann.





