Neue Techniken und Methoden in der Genetik und Gentechnik sorgen dafür, dass unser Einblick ins Erbgut immer umfassender wird. So ermöglichen genomweite DNA-Vergleich es inzwischen, die genetische Grundlage auch für komplexe, von vielen Genen gesteuerte Merkmale näher zu ergründen. Dadurch lässt sich beispielsweise feststellen, ob ein Mensch ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen besitzt, man kann aber auch eingrenzen, welche und wie viele Gene an der Ausprägung einer bestimmten Eigenschaft beteiligt sind. Denn wie man inzwischen weiß, sind Merkmale, die nur von einem Gen kontrolliert werden, eher die Ausnahme. Weit typischer ist es, dass zahlreiche Genvarianten dafür in komplexer Weise zusammenwirken, zusätzlich beeinflusst durch nicht genetische Faktoren wie die Umwelt oder vorgeburtliche Umgebung. Zu solchen polygenen Merkmalen gehören beispielsweise Körpergröße, Hautfarbe und Neigung zu Übergewicht, aber auch die Intelligenz.
Die Frage aber ist, ob sich das Wissen um die genetische Basis solcher polygenen Merkmale praktisch nutzen lässt – nicht nur zur Krankheitsvermeidung, sondern möglicherweise sogar zur Optimierung des Menschen, beispielsweise in Form sogenannter “Designerkinder”. Für diese könnten – so die Befürchtung – Methoden wie die Präimplantationsdiagnostik und die Geneditierung per Genschere genutzt werden, um Embryonen vor dem Einpflanzen in den Mutterleib gezielt zu selektieren oder sogar genetisch zu “verbessern”. “Gensequenzierungen bei Embryonen sind heute schon viel einfacher als noch vor fünf Jahren”, erklärt Seniorautor Shai Carmi von der Hebräischen Universität Jerusalem. “Aber die Selektion von Embryos nach bestimmten Merkmalen ist sehr umstritten – unter anderem wegen der Nähe zur Eugenik und möglicher Benachteiligungen.” In Deutschland und einigen anderen Ländern ist die Präimplantationsdiagnostik deshalb verboten und darf nur in Ausnahmefällen, beispielsweise bei schweren Erbkrankheiten, durchgeführt werden.
Was bringt die genetische Selektion konkret?
Doch neben den ethischen Problemen stellt sich auch die Frage, wie biologisch machbar und sinnvoll eine solche Selektion gerade bei polygenen Merkmalen wäre. Genau dies haben nun Carmi, sein Kollege Ehud Karavani und ihre Kollegen näher untersucht. Für ihre Studie gingen sie von einem heute theoretisch schon machbaren Szenario aus: der Selektion von durch künstliche Befruchtung (IVF) entstandenen Embryonen nach Intelligenz und Körpergröße. Beide Merkmale sind polygen und von beiden kennt die Forschung bereits zahlreiche beteiligte Genvarianten, wie die Forscher erklären. In ihrer Studie wollten sie nun wissen, welche konkreten Auswirkungen es hätte, wenn ein Paar aus ihren fünf oder zehn mittels IVF erzeugten Embryonen nur das Kind austragen würde, das die besten Intelligenzgene oder Gene für die Körpergröße hätte.





