Im Land der Skythen, so hielt Herodot im 5. Jahrhundert v. Chr. fest, galten Erdbeben als Wunder. Der Umstand, dass jene Landstriche nördlich des Schwarzen Meeres nahezu frei waren von seismischen Erschütterungen, war dem weitgereisten griechischen Historiographen immerhin eine eigene Notiz wert – und dies nicht ohne Grund. Denn wer im Mittelmeerraum lebte, war mit Erdbeben ebenso vertraut wie mit Seuchen und Krieg; erdbebenfreie Zonen waren hingegen etwas Besonderes. Heute kennen wir die Ursachen für die hochgradige seismische Sensibilität des mediterranen Beckens: Hier treffen verschiedene tektonische Platten aufeinander.
Die häufigen Erdstöße in dieser Region haben auch in der Literatur der Antike und des frühen Mittelalters ihren Niederschlag gefunden: Bis zum Jahr 1000 n. Chr. wurden insgesamt 261 Ereignisse erwähnt. Unter diesen Erdbeben findet sich jenes, das in den 60er Jahren des 5. Jahrhunderts v. Chr. Sparta verwüstete. Es hatte zur Folge, dass sich die von den Spartanern unterworfenen Messenier erhoben und ihre Herren in einen langwierigen Existenzkampf verstrickten. Möglicherweise beschleunigte das Erdbeben gar den starken Bevölkerungsrückgang, der Sparta im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. erfasste. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 09/2014.
Prof. Dr. Mischa Meier




