Das Problem ist nicht neu. Dass Bakterien sich weiterentwickeln und neue Stämme entstehen, die gegen existierende Medikamente immun sind, ist teilweise unvermeidbar – so funktioniert natürliche Auslese. Jedoch werden Bakterien schneller resistent, je mehr Antibiotika wir benutzen, besonders, wenn Behandlungen vorzeitig abgebrochen werden. Schon Alexander Fleming, der im Jahr 1928 mit Penizillin das erste Antibiotikum entdeckte, warnte davor: „Die größte Gefahr bei Selbstmedikation ist die Verwendung zu geringer Dosen, sodass die Mikroben, anstatt die Infektion zu beseitigen, trainiert werden, Penicillin zu widerstehen, und eine Vielzahl von penizillinresistenten Organismen gezüchtet wird, die an andere Personen weitergegeben werden können.”
Doch Flemings Warnung stieß auf taube Ohren; Antibiotika wirkten einfach zu gut. Viele Infektionen, die zuvor oft ein Todesurteil waren, wie Typhus, Pest, oder Cholera, wurden weitgehend hinweggewischt. Zudem fanden Wissenschaftler in den 1940er-Jahren heraus, dass Antibiotika das Wachstum von gesunden Tieren fördern. In den folgenden Jahrzehnten wurden Antibiotika daher in vielen Ländern großzügig dem Tierfutter beigemischt und auf Pflanzen gesprüht.
Im Jahr 1971 rief Großbritannien als erstes Land ein Verbot gegen den Einsatz bestimmter Antibiotika in der Tierzucht aus. In der EU ist ihr Einsatz als Wachstumsbeschleuniger hingegen erst seit 2006 generell verboten. In den USA dauerte es sogar noch länger: Erst 2017 trat dort ein ähnliches Gesetz in Kraft.
Antibiotika in der Tierzucht sind jedoch nur ein Teil des Problems. Ein anderer Teil ist die große Anzahl von Antibiotikaverschreibungen an Patienten, die sie nicht brauchen. Laut Erhebungen des amerikanischen Center for Disease Control sind in den USA etwa 30 Prozent der Behandlungen mit Antibiotika unnötig oder unnütz – in den meisten Fällen, weil die Medikamente gegen Virusinfektionen verschrieben werden, gegen die sie nicht helfen. Die Weltgesundheitsorganisation hat im Jahr 2019 die Antibiotikaresistenz zu einer der zehn weltweit größten Gesundheitsgefahren erklärt.
Es gibt aber auch gute Neuigkeiten. Eine Studie aus dem Jahr 2018 fand heraus, dass der globale Antibiotikakonsum zwar bis 2015 weiter anstieg – und dies vermutlich auch weiterhin tut –, doch mittlerweile wird der Konsumanstieg von Entwicklungs- und Schwellenländern getrieben. Der Verbrauch an Antibiotika in Industrieländern ist hingegen konstant oder nimmt sogar leicht ab.
Neue Ansätze zur Infektionsbekämpfung
Ebenfalls eine gute Neuigkeit ist, dass Wissenschaftler sich ein paar neue Tricks haben einfallen lassen. Zunächst ist da das Offensichtliche: Alte Antibiotika, die schon lange nicht benutzt wurden, können wieder eingesetzt werden, weil Bakterien ihre Resistenz mit der Zeit verlieren. Zudem holen sich einige Wissenschaftler Inspiration aus der Natur. So entdeckte zum Beispiel eine Forschergruppe aus Dänemark im Jahr 2016, dass bestimmte Ameisenarten Antibiotika benutzen, um das Wachstum von Pilzen in Schach zu halten.





