Der Autor schildert den Abstieg des Renaissance-Papsttums, welches mit Nikolaus V. (1447–1455) und Pius II. (1458–1464) schon begonnen hatte, bis hin zur Dekadenz Alexanders VI. und zu dessen und Cesares Projekt, die dem Kirchenstaat verlorengegangene Romagna wiederzuerlangen und zur Schaffung eines Borgia-Staates zu benutzen. Das Papsttum sollte darüber auf Dauer von der eigenen Familie abhängig gemacht werden. Der Autor erklärt, daß und warum dieses Projekt scheitern mußte; mit Recht sieht er darin ein Lehrstück für die Neigung des Menschen zum Selbstbetrug und zu seiner Verführbarkeit durch die Macht.
Die Borgia aber verloren wegen ihrer Exzesse jegliches Vertrauen, wie sie konnte niemand mehr in Rom regieren. Zwar hat Pius III. Piccolomini, auch er ein alter Gegner der Borgia, in seinem ganz kurzen Pontifikat (1503) die Geschikke nicht umsteuern können. Aber Julius II. (1503 –1513) entmachtete Cesare Borgia sogleich und fügte den Kirchenstaat neu zusammen. Nun wurde Rom zum kulturellen Zentrum für ganz Italien und darüber hinaus. Und 30 Jahre später begann Paul III. Farnese, dessen Karriere zunächst durch eine Liebesgeschichte seiner Schwester Giulia mit Alexander VI. befördert worden war, mit der mehr als überfälligen Reform der römischen Kirche. Ihr Kunststil ist dann der Barock geworden.
Rezension: Lill, Rudolf




